Handballfest versetzt Löwen-Fans in Ekstase

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

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Was für ein Handballspiel: Die Rhein-Neckar Löwen haben die Füchse Berlin am Donnerstagabend in der SAP Arena mit 37:23 (18:9) geschlagen und damit den Hauptstadtclub an der Tabellenspitze der DKB Handball-Bundesliga abgelöst. Vor 10.579 Zuschauern zelebrierten die Löwen ein Handballfest,

das sich auf eine aufmerksame Abwehr, eine überragende Torhüterleistung und einen effizienten Angriff stützte. „Das war eine fast perfekte Leistung“, fand Hendrik Pekeler, der am Kreis sowohl vorne wie hinten ein Riesenspiel im Dress des amtierenden Meisters absolvierte. Zu „Pekes“ sechs Treffern kamen zehn von Gudjon Valur Sigurdsson und sieben von Andy Schmid. Mikael Appelgren hielt 21 Würfe auf sein Tor und blieb damit haarscharf unter der magischen 50-Prozent-Quote. Bei den Berlinern traf Fabian Wiede siebenmal.

Füchse-Trainer Velimir Petkovic sprach von einer „Packung“: „Unglaublich, was wir hier erlebt haben, was die Löwen hier abgeliefert haben. Wir haben wohl nicht den mentalen Druck ausgehalten. Es hat nichts funktioniert, was wir versucht haben, Appelgren hat ein Weltklasse-Spiel gemacht.“ Nikolaj Jacobsen bedankte sich für die Glückwünsche: „Bei uns hat heute alles geklappt. Ohne Petar Nenadic war es schwierig für Berlin, zumal Appelgren da war, wenn man einmal durchgekommen war. Die erste und zweite Welle sollte der Schlüssel sein – und das war heute der Fall. Ich will das Ergebnis aber nicht überbewerten. Wir hatten großen Respekt vor Berlin, den werden wir auch weiter haben, sagte der Löwen-Trainer. Oli Roggisch lobte die Mannschaft genauso wie die Fans und bedankte sich für eine „großartige Stimmung“. Angesprochen auf das Gerücht eines vorzeitigen Abgangs, sagte Jacobsen: „Da ist gar nichts dran. Ich bleibe mindestens bis 2019 bei den Löwen.“

Appelgren hält gegen Fäth, Schmid trifft gegen Heinevetter: Der Start passt schon einmal für die Löwen. Als Berlins Erik Schmidt Andy Schmid rabiat zu Fall bringt, ist die SAP Arena direkt auf Betriebstemperatur. Aus der Zwei-Minuten-Strafe machen die Löwen durch Treffer von Patrick Groetzki und Alex Petersson sowie einer Parade von Appelgren ein 3:1 (5.). Weil der Schwede im Löwen-Tor die dritte Parade nachlegt und Sigurdsson den Gegenstoß souverän abschließt, steht es 4:1. Appelgren kommt auf den Geschmack, legt zwei Wahnsinnstaten nach – Lindberg verkürzt erst per Siebenmeter auf 4:2 (7.). In dem Spitzenspiel ist direkt Feuer, der gelbe Zug nimmt gleich volle Fahrt auf. Appelgren ist dabei zunächst der entscheidende Faktor, zusammen mit einer supervariablen Offensivabteilung, welche die Füchse zunächst überhaupt nicht in den Griff bekommen.

An den Berlinern geht der Bombenauftakt der Löwen nicht spurlos vorbei. Der Tabellenführer verliert einen Ball in der Vorwärtsbewegung, Sigurdsson netzt zum 6:3 ein (11.). Dann setzt Fabian Wiede ein Zeichen aus dem Rückraum, sein Geschoss schlägt unhaltbar im Winkel ein – 6:4. Schmid hält dagegen: Der rückwärts eingelaufene Pass über die Schulter kommt bei Pekeler an, es steht 7:4. Ein Traumtor als Koproduktion der zentralen Löwen-Achse. Appelgren macht das halbe Dutzend Paraden voll, Mensah seine zweite Bude zum 8:4. Füchse-Coach Petkovic nimmt nach 14 Minuten die erste Auszeit. Petersson interessiert das wenig: Er tanzt Stipe Mandalinic aus und wuchtet die Kugel zum 9:4 in die Maschen. Jetzt bedient Schmid Mensah (!) am Kreis – 10:4. In der Arena herrscht Festtagsstimmung.

Als Schmid den nächsten Zauberpass auf Pekeler auspackt, macht das die Berliner nicht gerade sicherer. Drux sorgt für den nächsten Ballverlust, Gedeon Guardiola auf Zuspiel von Groetzki für das 12:5 (19.). Schmid kontert Mandalinic‘ Treffer – die Löwen bleiben Herr im Haus. Bei Berlin tut sich vor allem Wiede hervor, doch auch das Rückraum-Ass verhaspelt sich und Schmid setzt per Gegenstoß das 14:7. Als wieder Schmid das Ergebnis auf 15:7 schraubt, muss Petkovic die zweite Auszeit nehmen. Dabei wird es richtig laut, das Trainer-Urgestein kann vor allem mit der Offensivleistung überhaupt nicht zufrieden sein. Da die Füchse ständig Bälle herschenken, kommen die Löwen zu leichten Toren. Der Meister nutzt die Fehler des Gegners eiskalt und zeigt sich unheimlich konzentriert. Durch Sigurdssons dritten Treffer wächst der Vorsprung auf neun Tore. Im Löwen-Kasten feiert Appelgren seine neunte Parade – ein Wahnsinn, der sich auf der Platte in der SAP Arena abspielt.

Widerstand leistet weiter Wiede, verkürzt wuchtig auf 17:8 (27.). Als Nikolaj Jacobsen seine erste Auszeit nimmt, hat der dänische Meistercoach ein Lächeln im Gesicht – kein Wunder in Anbetracht der Top-Leistung seiner Schützlinge. Berlin stellt derweil auf offensive Deckung um, Zachrisson steht nun Schmid auf den Füßen. Der Schweizer reagiert mit seinem fünften Treffer, auch diese Maßnahme verpufft also. Mit 18:9 (!) geht es in die Pause. Da steht Appelgren bei einer Quote gehaltener Bälle nah an 50 Prozent.

Die zweite Hälfte beginnt wie die erste: Schmid trifft. Berlin versucht es jetzt mit dem siebten Feldspieler, aber Petersson passt super auf, stellt Schmidt am Kreis. Dafür verwandelt Zachrisson von rechts außen. Die Löwen bleiben cool, die Abwehr steht weiter sensationell, Pekeler und Mensah nutzen Ballgewinne und Paraden Appelgrens zu Treffern ins leere Tor. Als Guardiola das 23:10 markiert, nimmt Petkovic die letzte Auszeit für Berlin. Da sind noch 25 Minuten zu gehen. Am Spielverlauf ändert das nichts. Mensah verteidigt stark gegen Wiede, die Hauptstädter werden wiederholt ins Zeitspiel getrieben, den Rest fischt Appelgren weg. Derweil beenden die Füchse ihr Überzahl-Experiment, Pekeler spielt in der Abwehr wie zuletzt häufiger auf der „1“. Zudem bringt Jacobsen Harald Reinkind als frische Kraft auf halbrechts. Als Zachrisson auf 26:15 verkürzt, wird Jacobsen ein wenig lauter, nimmt nach dem nächsten Zachrisson-Treffer die Auszeit. Ins Löwen-Spiel schleichen sich zunehmend Fahrlässigkeiten beim Abschluss – das gefällt dem Chef auf der Bank überhaupt nicht. Wichtig, dass Groetzki das 27:16 macht und erst einmal die Luft aus der angedeuteten Aufholjagd der Gäste nimmt.

Als Reinkind das 28:16 nachlegt, stimmen die Löwen-Fans die nächste Runde Jubelgesänge an. 13 Minuten vor Schluss steht es dank Mensahs fünftem Hammer 29:17. Die Füchse stellen noch einmal Zachrisson auf Schmid ab, nicht aber die einfachen Ballverluste. Sigurdsson passt auf. Den nächsten Angriff schließt Reinkind für die Löwen ab, doch Silvio Heinevetter hält. Schmid macht es nach Appelgrens 17. Parade besser und Tor Nummer 30 für den Meister. Pekeler trifft mitten in die „Oh, wie ist das schön“-Gesänge – achteinhalb Minuten vor dem Ende ist beim Stand von 32:19 alles gelaufen. Der Rest ist reine Kür, nach einer kaum zu fassenden Handball-Lehrstunde steht es 37:22 für die Löwen. Die Feier fällt entsprechend lange und ausgelassen aus, schon die letzten sieben Spielminuten steht fast die ganze Hütte. Diesen Abend wird die Löwen-Familie so schnell nicht vergessen.

Rhein-Neckar Löwen – Füchse Berlin 37:23 (18:9)

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Palicka; Schmid (7), Sigurdsson (10/3), Radivojevic, Baena, Tollbring, Mensah (5), Pekeler (6), Reinkind (2), Taleski (1), Guardiola (2), Petersson (2), Rnic, Groetzki (2)

Füchse Berlin: Heinevetter, Stochl; Elisson (1), Lindberg (1/1), Zachrisson (5), Mandalinic (3), Gojun, Fäth, Drux (2), Wiede (7), Kopljar, Schmidt, Urios (2), Struck (2), Vukovic

Trainer: Nikolaj Jacobsen – Velimir Petkovic

Schiedsrichter: Fabian Baumgart / Sascha Wild

Strafminuten: 0 – 3

Siebenmeter: 3 – 1

Zeitstrafen: / - Schmidt (4), Zachrisson (2), Gojun (2)

Zuschauer: 10.579

Beste Spieler: Appelgren, Sigurdsson, Schmid, Pekeler – Wiede, Zachrisson

Spielfilm: 1:0, 1:1, 4:1, 5:2, 6:3, 7:4, 10:4, 11:5, 12:6, 13:7, 16:7, 17:8, 18:9 (Halbzeit) 19:9, 20:10, 22:10, 24:11, 26:12, 26:15, 28:16, 29:17, 30:18, 32:19, 34:20, 35:21, 37:23 (EN)

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