Zebras mit einem klaren Heimsieg

Foto: Uwe Serreck

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Der THW Kiel hat das 60. und damit letzte Spiel des Jahres souverän gewonnen: Gegen den Aufsteiger TuS N-Lübbecke benötigten die "Zebras" allerdings eine Viertelstunde Anlauf, um richtig auf Touren zu kommen. Nach einer Abwehr-Umstellung, starken Paraden von Andreas Wolff

und einem 7:0-Lauf zum 12:6-Zwischenstand hatten die Kieler die Begegnung vollkommen im Griff und siegten am Ende auch in der Höhe verdient mit 29:19 (16:8). Beste Torschützen waren Patrick Wiencek, Nikola Bilyk und Niclas Ekberg, die jeweils fünf Treffer erzielten. Nach der Partie bedankte sich Kapitän Domagoj Duvnjak bei den 10.285 Fans in der erneut ausverkauften Sparkassen-Arena, bei allen Partnern und Sponsoren des Rekordmeisters für ihre Unterstützung: "Das war kein einfaches Jahr für uns, und für euch gewiss auch nicht", sagte Duvnjak mit Blick auf die schwierige Hinrunde. "Aber wir sind wieder da. Und wir wissen euch alle an unserer Seite - wir freuen uns auf die Spiele 2018!" Durch den Erfolg rückte der THW auf Rang fünf vor und verkürzte den Abstand auf Tabellenplatz zwei auf drei Punkte.

Nur in einer der insgesamt 60 Saison-Partien, dem Achtelfinal-Rückspiel in der VELUX EHF Champions League bei den Rhein-Neckar Löwen, konnte Alfred Gislason auf seinen kompletten Kader zurückgreifen. Ansonsten verhinderten Verletzungen und Erkrankungen Partien in Bestbesetzung - das sollte sich auch im letzten Spiel des Jahres nicht ändern. Neben Raul Santos (Knie) und Christian Dissinger (Knie-Stauchung) musste Gislason gegen den Aufsteiger auch Sebastian Firnhaber ersetzen, der wegen eines grippalen Infektes nicht mitwirken konnte. Die "Zebras" brauchten einige Zeit, um den richtigen Zugang zur Partie zu finden. Die Gäste verschleppten das Tempo, satte 4:32 Minuten dauerte es, bis die Fans in der Sparkassen-Arena erstmals laut jubeln konnten: Niclas Ekberg hatte per Siebenmeter getroffen. Doch ein Spaziergang wurde diese Anfangsphase nicht: Clever spielende Lübbecker fanden nach ihren langen Angriffen doch immer noch eine Lücke, während der THW vorn einige Chancen liegen ließ. So drehten die Gäste das 4:2 der Gastgeber in eine 6:5-Führung (15.).

Gislason reagierte, brach die 6-0-Defensive auf und brachte Kapitän Domagoj Duvnjak als Spitze der offensiven 3-2-1-Deckungsvariante. Eine Umstellung, die den Gästen nicht zu schmecken schien. Denn fortan agierte die THW-Abwehr aufmerksamer, setzte den Gegner permanent unter Druck und zwang die Ostwestfalen so zu Fehlern. Zudem ließ Andreas Wolff nun ebenfalls das ein oder andere Mal die Werfer in Rot-Schwarz verzweifeln. Die Folge waren zehn torlose Minuten der Lübbecker, die die "Zebras" zu einem vorentscheidenden 7:0-Lauf nutzten: Toft Hansen stahl zwei Mal den Ball, Ekberg verwandelte zwei Mal den Gegenstoß. Wiencek netzte zum 9:6 ein, machte nach einem Zettermann-Schubser im vollen Lauf schmerzhafte Bekanntschaft mit der Bande, schüttelte sich und machte weiter. Die fällige Überzahl war dann eine Sache des Kapitäns: Duvnjak klaute dem Gegner den Ball und verwandelte ins leere Tor, Marko Vujin erhöhte auf 11:6, und Duvnjak ließ es mit einem Schlagwurf zum 12:6 richtig krachen. Nach 22 Minuten hatte der THW die Partie vollends im Griff.

Jetzt legten die Kieler die Wurfwucht in die Waagschale: 98 km/h, 100 km/h, 100 km/h und 101 km/h - diese Serie beeindruckte nicht nur die Lübbecker Torhüter. Weinhold, der starke Nikola Bilyk, Duvnjak und erneut Bilyk waren die Absender dieser Hammer-Grüße an den Aufsteiger, und weil die Deckung weiterhin stand und Andreas Wolff beispielsweise einen Rakovic-Heber einfach aus der zweiten Etage fischte, bauten die "Zebras" ihren Vorsprung bis zum Wechsel auf 16:8 aus. Applaus entließ den THW in die Kabine, und mit Applaus startete auch der zweiten Durchgang. Denn die Schwarz-Weißen machten da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten: Wolff hielt, die beiden Außen Rune Dahmke und Ekberg erhöhten auf zehn Tore Vorsprung. Zwar verkürzte der TuS durch einen Genz-Doppelschlag, doch das stoppte den THW nur kurz. Bemerkenswert die 35. Minute: Patrick Wiencek erhielt die zweite Kieler Gelbe Karte - es sollte die letzte progressive Bestrafung der extrem fair agierenden "Zebras" in der Partie gewesen sein.

Und die setzten offensiv nach - auch wenn Duvnjak einen Gegenstoß spektakulär neben das Tor setzte. Eine Aktion, die seinen Mitspielern und Gislason ein breites Grinsen auf das Gesicht zauberte, während sich der Kapitän die Haare raufte. Kurz darauf schnappte sich "Dule" einen Pass der Gäste und gab den Ball an Emil Frend Öfors weiter, der den Konter sicher verwandelte. Und auch die nächste Defensiv-Aktion war wieder ein Duvnjak-Moment: Wieder ein Steal, wieder ein Pass, wieder ein Gegenstoß-Tor zum 21:10 - dieses Mal durch Bilyk. Der Elf-Tore-Vorsprung hielt bis zum 26:15 (52.), bis doch wieder der Schlendrian kurz Einzug in das THW-Spiel hielt. Doch das blieb ohne größere Konsequenzen - Wiencek, Weinhold und erneut Wiencek hielten gegen alle Lübbecker Bemühungen dagegen und setzten so mit dem 29:19 den Schlusspunkt hinter ein Jahr, das mit dem Pokalsieg im April ein absolutes Highlight, aber auch einige Tiefen zu bieten hatte.

Nach dem Spiel verabschiedete Kapitän Domagoj Duvnjak stellvertretend für die gesamte THW-Mannschaft das Handball-Jahr 2017. "In diesem Jahr war nicht alles gut, aber wir haben den Pokalsieg feiern können und sind jetzt auf einem guten Weg. Wir freuen uns mit Euch auf 2018 - die Saison ist noch nicht zu Ende!" Anschließend bedankten sich der Kapitän und die "Zebras" mit Applaus bei den Fans, Partnern und Sponsoren des THW Kiel. Dann wünschten alle in ihrer Landessprache den Fans einen "guten Rutsch" - bevor sich die "Zebra"-Wege trennten: Die Nationalspieler, die im Januar bei der Europameisterschaft dabei sind, machten sich zum Teil noch am Abend auf den Weg zu ihren jeweiligen Mannschaften. Das verbliebene Grüppchen verabschiedete sich in den verdienten Winter-Urlaub, Mitte Januar beginnt für sie dann die Vorbereitung auf die Rückrunde. Danke für 2017, Kiel!

DKB Handball-Bundesliga, Statistik, 19. Spieltag, 27.12.17: THW Kiel - TuS N-Lübbecke: 29:19 (16:8)

THW Kiel: Landin (n.e.), Wolff (1.-60., 16 Paraden); Duvnjak (3), Toft Hansen, Weinhold (3), Wiencek (5), Ekberg (5/2), Zeitz (n.e.), Frend Öfors (1), Rahmel, Dahmke (1), Zarabec, Vujin (3), Bilyk (5), Nilsson (3); Trainer: Gislason

TuS N-Lübbecke: Tatai (28.-60., 6 Paraden), Birlehm (1.-28., 4 Paraden); Genz (3), Kaleb (1), Bechtloff (3), Gierak (2), Gruszka (3), Rakovic (1), Torbrügge (1), Schade, Zettermann (1), Hövels, Remer (4/3); Trainer: Ziercke

Schiedsrichter: Christian vom Dorff / Fabian vom Dorff

Strafzeiten: THW: 0 / TuS: 3 (2x Torbrügge (16., 41.), Zettermann (20.))

Siebenmeter: THW: 2/2 / TuS: 3/3

Spielfilm: 1:0 (5.), 2:1 (5.), 4:2 (10.), 4:4 (12.), 5:4, 5:6 (15.), 12:6 (22.), 12:7 (25.), 14:7 (27.), 16:8; 18:8 (34.), 18:10 (38.), 21:10 (44.), 23:12, 25:14 (51.), 26:15, 26:17 (54.), 27:18 (58.), 29:19.

Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

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