Bilanz zur EM-Pause

Foto: Lächler

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Wer hätte das gedacht: Der TVB 1898 Stuttgart steht in seiner dritten Saison in der ersten Handball-Bundesliga zur Winterpause einen Punkt schlechter da als in der vergangenen Spielzeit. Lediglich zwei Zähler trennen den TVB von den Abstiegsrängen.

Es ist höchste Vorsicht geboten – zumal sich die Konkurrenten als reichlich widerborstig präsentieren.

Oberste Zielvorgabe des TVB zu Saisonbeginn ist der Klassenverbleib gewesen – mit einem kleinen, aber feinen Zusatz: Um einen Schritt nach vorne zu machen und Planungssicherheit für die vierte Erstligasaison zu bekommen, sollten die Weichen hierfür bis zur Europameisterschafts-Pause im Januar gestellt sein.

Die Hoffnung auf eine sorgenfreie Rückrunde indes müssen die Bittenfelder nach 19 von 34 Spielen begraben. Sie erleben vielmehr ein Déjà-vu, gibt es doch etliche Parallelen zur Vorsaison. Auch in der Spielzeit 2016/2017 war der TVB mit 6:6 Punkten vielversprechend in die Saison gestartet, nach 2:20 Zählern und reichlich Verletzungspech im Anschluss brannte an Weihnachten der blau-weiße Baum. Der 28:26-Sieg im finalen Spiel gegen Leipzig war ein Lebenszeichen des TVB, der dennoch auf einem Abstiegsrang in die Pause ging.

Auch in der aktuellen Saison kam der TVB sehr gut aus den Startlöchern. Nach dem Auftaktcoup beim 29:27-Sieg gegen den Geheimfavoriten MT Melsungen holte sich das Team auch die Pflichtpunkte gegen den Aufsteiger Eulen Ludwigshafen (25:22) und schien nach dem 23:21-Derbysieg in Göppingen mit 6:6 Punkten auf dem Weg zu einer stabilen Saison.

Dass in den restlichen 13 Spielen lediglich noch drei Punkte gegen den Neuling TV Hüttenberg (28:23) sowie den TSV GWD Minden (27:27) hinzu kamen und der TVB gefährlich nahe an den Abgrund taumelte, ließ die Stimmung so ziemlich in den Keller purzeln. Der erstmalige Einzug ins Viertelfinale des DHB-Pokals mit dem 29:27-Erfolg in Lemgo war eher ein schwacher Trost. Neun Punkte aus 19 Spielen sind bei weitem nicht das, was sich der Trainer und die Verantwortlichen ausgerechnet hatten.

Acht Niederlage in Folge stehen in der Bilanz, die jüngste indes weckte die Hoffnung auf bessere Zeiten im neuen Jahr. Zwar gingen die Punkte beim 23:29 an die Rhein-Neckar Löwen, doch der TVB bot dem Deutschen Meister über 60 Minuten hinweg die Stirn und zeigte, dass er mehr Substanz hat als die drei Aufsteiger. „Die gute Leistung war wichtig, der letzte Auftritt bleibt immer in den Köpfen bis zum Start im Februar“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Ich hoffe, meine Spieler wissen jetzt, was wir machen müssen, um die nötigen Punkte zum Klassenverbleib zu holen.“

Vier zu wenig davon habe der TVB gesammelt, sagt Baur. Wo er die liegen ließ, ist offensichtlich: Die Heimniederlagen gegen die Abstiegskonkur-renten VfL Gummersbach (22:26) und TuS Nettelstedt-Lübbecke (28:29) schmerzen immer noch.

Das schier unglaubliche Verletzungspech, das die Bittenfelder die gesamte Hinrunde begleitete, ist ein Grund, weshalb sie unter der angepeilten Punktausbeute blieben – allerdings nicht der einzige. „Sicherlich haben auch nicht alle Spieler ihr Leistungsvermögen abgerufen“, sagt Baur. Mit einem kompletten Kader und ohne größere Formschwächen sei sein Team in der Lage, gegen alle Mannschaften von Platz sieben abwärts zu bestehen.

Vielleicht, mutmaßt Baur, stoße der eine oder andere Spieler in der ersten Liga nun doch an seine Grenzen. „Es ist ganz normal, dass man das nicht wahrhaben möchte.“ Auch sei die erste Euphorie nach dem Aufstieg weg, „und die Gegner nehmen uns mittlerweile ernst“.

Dass es nach dem Ausfall von Johannes Bitter (s. Foto) und Michael Kraus – sie verpassten zusammen 17 von 19 Spielen –, nicht nur an sportlicher Qualität mangelte, sondern auch an Führungspersonal, war offensichtlich. „Dem einen oder anderen fehlte womöglich jemand, an dem er sich orientieren konnte“, sagt Baur.

Im Februar werden die beiden Weltmeister zurückerwartet, ebenso Max Häfner. Markus Baur warnt jedoch ausdrücklich davor, sich auf Bitter und Kraus zu verlassen. „Es darf sich keiner hinstellen und sagen, Jogi, mach’ du mal.“ Jeder einzelne müsse inzwischen begriffen haben, dass er „seinen Job“ machen müsse.

Bitters Wert für den TVB ist unbestritten, eine Garantie für Punkte indes ist er nicht. Das zeigt ein Blick auf die Statistik: Mit 33 Prozent Fangquote nimmt der Torhüter den neunten Platz ein in der Rangliste. Lediglich in vier von seinen 13 Spielen hatte Bitter eine bessere Quote als die gegnerischen Torhüter.

15 Chancen hat der TVB noch in der Rückrunde, die fehlenden Punkte zum Ligaverbleib zu sammeln. Fünf Siege müssten unter normalen Umständen genügen. So ganz sicher indes ist sich Baur da nicht. „Im vergangenen Jahr habe ich auch nicht geglaubt, dass wir 23 Punkte brauchen.“

Hellwach sein muss der TVB gleich in den ersten Spielen nach der EM-Pause: In Lübbecke sollte er ebenso wenig anbrennen lassen wie zwei Wochen später bei den Eulen Ludwigshafen.