Stefan Hanemann wechselt ab sofort in die 1. Liga

(Foto: Peter Pisa)

2.Bundesliga
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Die Ausbildungsarbeit bei der HSG Konstanz trägt erneut Früchte: Junioren-Nationaltorwart Stefan Hanemann (s. Foto), der direkt aus der A-Jugend von Erstligist HSG Wetzlar im Sommer 2015 nach Konstanz kam, wechselt zum 1. Januar 2018 zum Bundesligisten Eulen Ludwigshafen.

Der bestehende Vertrag bis zum 30. Juni 2019 wurde nach der Anfrage aus Ludwigshafen auf Wunsch von Stefan Hanemann aufgelöst, bei den Rheinland-Pfälzern hat er bis 30. Juni 2020 unterschrieben. Der Zweitligist vom Bodensee erhält für die Freigabe des 21-Jährigen eine Ablösesumme von den Eulen.

„Wenn sich für ein Talent wie Stefan diese Chance bietet, wollten wir ihm nicht im Wege stehen“, sagt Andre Melchert, Sportlicher Leiter der HSG Konstanz. Hanemann ist der HSG dafür sehr dankbar: „Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung. Ich habe der HSG viel zu verdanken, die Entwicklung der letzten Jahre und jetzt, dass sie mir die Chance dazu geben, diese Möglichkeit zu ergreifen.“ Damit geht eine sehr bewegte Zeit am Bodensee mit vielen Höhen aber auch einigen bitteren Tiefpunkten für den 1,98 Meter großen Schlussmann zu Ende.

Immer wieder hatte er, so schon kurz vor seiner Ankunft zum 1. Juli 2015 in Konstanz, mit größeren und kleineren Verletzungen zu kämpfen. „Ich wurde von Freunden schon liebevoll als Bruchpilot bezeichnet“, kann Hanemann inzwischen wieder darüber lachen. Doch der zunächst per Zweitspielrecht von Wetzlar nach Konstanz gekommene Lehramtsstudent (Sport und Russisch) hatte schwere Stunden zu überstehen, als er nach der Drittliga-Meisterschaft und dem Zweitliga-Aufstieg bei der HSG zwar erneut in den Kader der deutschen Junioren-Nationalmannschaft berufen wurde, dort aber eine Patellaluxation erlitt und monatelang ausfiel. Wetzlar plante daraufhin ohne ihn, während Konstanz seinen Vertrag trotz erneuter Verletzung vorzeitig bis 2019 verlängerte – nun ohne Zweitspielrecht. Schließlich gewann Hanemann auch noch das Rennen gegen die Zeit, wurde rechtzeitig vor der U21-WM fit und nach dem Test-Länderspiel vor eigenem Publikum am Schänzle in Algerien Vierter mit der DHB-Auswahl.

„Das waren unvergessliche Momente in der Schänzlehölle bei unseren Spielen und diesem Länderspiel“, blickt Hanemann zurück. „Konstanz hat die besten Fans der Liga, die sind überragend. Das habe ich auswärts kaum erlebt. Nirgends ist die Unterstützung lauter und enthusiastischer. Es war immer geil hier zu spielen, eine echte Hausnummer.“ Nachhaltig beeindruckt haben ihn allerdings auch der Zusammenhalt im Team und Verein, gerade in schweren Zeiten, als „Stjopa“ ihn dringend benötigt hatte. „Die Unterstützung, die ich hier in meiner schwersten Zeit erlebt habe, gibt es nicht oft“, sagt er zu jenen Monaten, in denen er sich mühsam zu alter Stärke zurückkämpfen musste und sogar Gedanken an ein Karriereende in seinem Kopf umher kreisten. „Alle waren für mich da. Dankbarkeit ist noch zu wenig, was ich dafür empfinde, das war unbeschreiblich. Es ging mir in den letzten Tagen daher viel durch den Kopf und ich konnte kaum schlafen, ich hätte den Jungs noch gerne geholfen.“

Das letzte Spiel für Konstanz konnte Stefan Hanemann am 18. November gegen den Bergischen HC absolvieren, da ihn eine neuerliche Schulterverletzung in den letzten Wochen zum Zusehen zwang. Als Glücksfall, da zwischenzeitlich mit Konstantin Poltrum auch noch die etatmäßige Nummer eins verletzt war, erwies sich seither der formstarke Maximilian Wolf. Der 24-Jährige nutzte seine Chance eindrucksvoll und war bei den beiden letzten Siegen in Dresden und gegen Essen einer der Matchwinner. „Für uns hat sich das gut getroffen“, meint Andre Melchert und drückt sein Vertrauen in das Konstanzer Eigengewächs aus, das die Lücke von Stefan Hanemann bestens gefüllt hat und auch in Zukunft füllen wird. „Max hat sehr gut gespielt und gezeigt, über welches Potenzial er verfügt. Er kann sich nun weiter beweisen.“

Mit Herzblut dabei ist jedoch auch noch Stefan Hanemann, für den die HSG Konstanz immer etwas ganz Besonderes bleiben wird. „Das bleibt mein Team und Verein und war ein wichtiges Sprungbrett in meiner Karriere.“ Der Aufstieg, der Klassenerhalt, das Spiel mit der Nationalmannschaft in Konstanz: „Das vergisst man sein ganzes Leben nicht“, so Hanemann. „Es war eine tolle, wichtige Zeit für meine Entwicklung. Die HSG ist sicher eine Topadresse für junge Talente, die etwas erreichen wollen.“

Bei deutlich ansteigender Leistungskurze zum Ende der Hinrunde glaubt Hanemann, dessen neuer Verein als Tabellenvorletzter ebenso wie die HSG tief in den Kampf um den Klassenerhalt verwickelt ist, an ein Happy End für seine ehemaligen Teamkameraden. „Die Jungs sind nun eingespielt, auch wenn es nach wie vor viele Verletzte gibt. Aber gerade Max Schwarz und Tom Wolf haben zuletzt gezeigt, was sie können. Ich drücke die Daumen, sie sind auf einem guten Weg.“