Die Hoffnung erhielt neue Nahrung an der Wartburg

Foto: sportfotoeisenach

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Der ThSV Eisenach überschreitet die Schwelle ins neue Jahr auf einem Abstiegsplatz. Nein, nicht in der 1. Handballbundesliga. Die Wartburgstädter, in ihrer jahrzehntelangen Geschichte stets in den beiden höchsten Spielklassen, müssen um den Klassenerhalt in der 2. Handballbundesliga bangen.

Mit dem Anspruch auf eine Platzierung unter den ersten Sechs gestartet, ist aktuell Abstiegskampf pur angesagt. Die alles entscheidende Frage: Kann der ThSV Eisenach Abstiegskampf in der 2. Handballbundesliga? Der Jahresausklang lässt zumindest hoffen. Mit 4:2-Punkten aus den letzten drei Spielen stockten die Wartburgstädter ihre Pluspunkte wenigstens in den einstelligen Bereich auf. Der Rückstand zum rettenden Ufer, dem ersten Nichtabstiegsplatz, beträgt drei Zähler. Also durchaus machbar!

„Wider Erwarten stecken wir im Abstiegskampf. Damit hatte im Sommer keiner gerechnet. Für uns gibt es nur ein Ziel, die Klasse zu halten. Das ist allen Spielern bewusst“, erklärt Manager Karsten Wöhler. „Ja, wir sind montan weit weg von dem, was wir können. Arbeiten Mannschaft und Trainerteam zielgerichtet und in Ruhe, ist der Ligaerhalt keine Utopie“, verbreitet Keeper Jan-Steffen Redwitz, bisher zumeist außerhalb der Kritik, Optimismus.

Nach der Saison 2015/2016 war der ThSV Eisenach mit einem 10-Nationen-Team aus der 1. Handballbundesliga abgestiegen. Der Traditionsverein setzte nunmehr auf einen Mix aus jungen deutschen Spielern und einigen wenigen erfahrenen Akteuren sowie mit Christoph Jauernik auf einen jungen Trainer mit ganz viel Stallgeruch, weil aus dem eigenen Verein. Die Spielzeit 2016/2017 wurde – nach holprigem Verlauf - Dank eines überaus erfolgreichen Saisonfinish, auf Platz 7 abgeschlossen. Olafur Ragnarsson, Nicolai Hansen, Dirk Holzner und Nick Heinemann wurden verabschiedet. Der eingeschlagene Weg mit jungen deutschen Spielern, vielfach aus dem eigenen Verein, fand allseits Zustimmung. Mit Justin Mürköster (von TuSEM Essen), Marcel Popa (vom SV Bernburg) und Alexander Saul (vom SC Magdeburg) kamen drei Talente mit viel Potential. Aus den eigenen A-Jugend-Reihen rückten mehrere Youngster auf. Doch das Anspruchsdenken unter der Wartburg ist stets hoch. Eine Platzierung besser als in der Vorsaison, verkündeten die Verantwortlichen um Präsident Gero Schäfer und Manager Karsten Wöhler als Zielvorgabe. Der Start, mit einem Derbysieg im Erzgebirge, nährte die Hoffnung. Doch es folgte der schlechteste Saisonstart seit 40 Jahren! Die sonst so gefürchtete Werner-Aßmann-Halle mutierte zum Selbstbedienungsladen. Sechs Heimniederlagen in Folge, darunter selbst gegen den Wilhelmshavener HV und die schmerzhafte Derbypleite gegen den Dessaa-Roßlauer HV, ließen die Wartburgstädter in den tiefen Tabellenkeller abrutschen. Die Leidensfähigkeit der Fans wurde arg strapaziert. Doch sie standen zu ihrer Mannschaft, zuhause und in großen Scharen auch auswärts!

Die Mannschaft fand einfach zu keiner konstanten Leistung, mal funktionierte die Abwehr und es haperte im Angriff, mal agierte der Angriff effizient und die Abwehr war löchrig. „Der ThSV Eisenach ist zu leicht ausrechenbar“, war nicht nur vom ehemaligen Eisenacher Coach Runar Sigtryggson zu hören. Einig war sich die gesamte Liga, dass die Qualität im Kader bei weitem besser sei als die Tabellenposition. Die Rückkehr des langzeitverletzten Kapitäns Daniel Luther und das Comeback des zu Jahresanfang bei einem PkW-Unfall verunglückten Marcel Schliedermann schürte die Hoffnung auf eine Trendwende. Das Stammaufgebot mit einem Durchschnittsalter von über 27 Jahren bildeten keine heurigen Hasen; trotz des Wechsels vom slowakischen Nationalspieler Tomas Urban Mitte September zu Erstligist Göppingen. Das Potential von Adrian Wöhler, Matthias Gerlich, Daniel Luther, Ibai Meoki, Marcel Schliedermann, Duje Miljak, Alexander Saul, Willy Weyhrauch, Marcel Niemeyer, Justin Mürköster sowie das Torhütergespann Jan-Steffen Redwitz und Stanislaw Gorobtschuk kam einfach nicht zum Tragen. Im Angriff lastete viel, zu viel, auf den Schultern von Matthias Gerlich. Die Mannschaft beteuerte, bestens vorbereitet in die Partie zu gehen, doch die Pleitenserie nahm kein Ende. Der Auswärtssieg Anfang November bei den Rhein-Vikings war nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Mit der Erfolglosigkeit nahm die Unsicherheit zu.

Die Verantwortlichen des ThSV Eisenach stärkten Trainer Christoph Jauernik demonstrativ den Rücken. Nach dem 20:27-Desaster bei Kellerkind Eintracht Hildesheim, nach dem 17. Spieltag und gerade einmal 6 Pluszählern, war die Geduld bei den Gesellschaftern der ThSV-Marketiing GmbH am Ende. Trainer Christoph Jauernik wurde freigestellt, Co-Trainer Arne Kühr zum Chef befördert. TEGUT – Tue Einfaches gut, hieß die Losung ab sofort. Die Spieler hatten verstanden. Von der verbesserten Abwehrarbeit profitierte Keeper Jan-Steffen Redwitz (s. Foto). Das Angriffsspiel wurde breiter, wovon Rechtsaußen Willy Weyhrauch profitiert. Arne Kühr holte seinen Bruder Nils Kühr und Athletiktrainer Alexander Nöthe ins Trainerteam. Nicolai Hansen kehrte auf das Handballparkett zurück. „Im athletischen Bereich haben wir Luft nach oben“, ließ Arne Kühr, 40-jähriger A-Lizenz-Inhaber, im Thüringischen Friedrichroda geboren, wissen. Mit ihm als Chef blieb der ThSV Eisenach in den drei Spielen zum Jahresausklang ungeschlagen. In einem sogenannten Vier-Punkte-Spiel bei der ebenfalls um den Ligaverbleib bangenden HG Saarlouis wurde ein 27:21-Erfolg bejubelt. Vor der Eisenacher Saisonrekordkulisse von 2.453 Zuschauern endete die 94. Auflage des Traditionsderby gegen den EHV Aue mit einem 27:27-Remis. Die Handballbundesligen, und damit auch der ThSV Eisenach, gehen wie alljährlich in eine Punktspielpause im Januar. „Unsere Aufgabe wird es sein, im Kraft und Ausdauerbereich intensiv zu arbeiten sowie Entwicklungspotentiale herauszukitzeln“, erläuterte ThSV-Coach Arne Kühr. Athletiktrainer Alexander Nöthe wird nach einer kurzen Pause ab 08. Januar 2018 zunächst das Sagen haben. Arne Kühr machte sich am Mittwochmorgen auf den Weg in die Slowakei, um seine Zusage als Trainer der slowakischen Nationalmannschaft bei deren Qualifikationsspielen bis Mitte Januar einzuhalten.

„Wir wollen und wir werden gemeinsam aus der Misere herauskommen. Die drei Spiele zum Jahresausklang sind der Auftakt hierzu“, betont ThSV-Rückraum-Shooter Matthias Gerlich, mit 121 Treffern auf Platz 7 der Torjägerliste der Liga, bevor ein Flugzeug in Richtung Atlanta bestieg, um seinen Bruder zu besuchen. „Wir haben uns als Mannschaft und sportlich wiedergefunden, sehen einer harten Vorbereitung auf die Fortsetzung der Punktspiele entgegen und sind wild darauf, die erforderlichen Zähler für weiteren Bundesliga-Handball in Eisenach zu erobern“, erklärte Jan-Steffen Redwitz kurz vor dem Aufbruch mit seiner Familie in den Skiurlaub nach Österreich. „Vier von sechs Punkten aus den letzten drei Spielen sind nicht überragend, in unserer Situation aber in Ordnung“, meint Marcel Schliedermann. In Vorbereitung auf die anstehenden Punktspiele sei es daran, die Abwehr zu verbessern. „Im Angriff, dann hoffentlich wieder mit Ibai Meoki, müssen wir zulegen, uns deutlich verbessern“, betont der Rückraumspieler. „Bei jedem von uns dürfte nun angekommen sein, wir stecken mitten im Abstiegskampf“, fügt er mit aller Deutlichkeit hinzu. Doch zunächst bracht er mit seiner Freundin ins warme Ägypten auf. „Allen unseren Freunden und denen des ThSV Eisenach wünschen wir einen guten Rutsch ins neue Jahr, vor allem Gesundheit und dass wir unser gemeinsames Ziel in dieser schweren Stunde des Eisenacher Handballs umsetzen können“, bittet Marcel Schliedermann zu übermitteln.