Christian „Blacky“ Schwarzer im Interview
- Details
- Kategorie: Magazin
- Erstellt am 02.02.2012
- Geschrieben von Pressemitteilung TOYOTA Handball-Bundesliga
Wenn am Samstag unmittelbar vor dem All Star Game die B-Nationalmannschaft ein Vorspiel gegen den Drittligisten EHV Aue austrägt, dann trägt das Nachwuchsteam auch die Handschrift von Christian Schwarzer.
Der Mann, den alle nur Blacky nennen, ist schließlich als Jugendkoordinator des Verbandes voll im Thema. Wie er das Modell B-Mannschaft findet, was ihm am All Star Game gefällt und wie sein EM-Fazit ausfällt, verriet der 42-jährige ehemalige Weltklasse-Kreisläufer in einem ausführlichen Interview.
Die EM ist vorüber. Wie fällt rund eine Woche nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft Ihr Fazit aus?
Christian Schwarzer: Es ist sicherlich dramatisch, dass die deutsche Mannschaft nicht an den Olympischen Spielen teilnimmt, aber darüber hinaus bin ich mit dem Auftritt des Teams seht zufrieden. Die Auswahl präsentierte sich besser als es von vielen erwartet wurde. Die Außenpositionen, der Kreis und auch das Tor waren richtig gut besetzt. Was fehlte, waren die leichten Tore aus dem Rückraum, wie sie zum Beispiel bei den Dänen ein Mikkel Hansen erzielte. Verglichen mit unseren Rückraumspielern hat der offenbar eine extrem gute individuelle Ausbildung genossen.
Und da hapert es bei uns?
So ist es. So jemanden wie Hens, der früher mal aus zehn Metern die leichten Treffer erzielte, für die man nicht viel arbeiten musste, der fehlte uns in Serbien. Aber wir sind nicht meilenweit von der Weltspitze entfernt. Uns fehlt halt nur ein kleines Stück.
Aber im Nachwuchsbereich feiert der DHB große Erfolge. Jüngst wurden die Junioren im Sommer 2011 Weltmeister.
Als Team funktionieren wir immer gut. Das wollen wir auch unbedingt beibehalten. Aber uns fehlt die individuelle Stärke. Und die braucht man, wenn man ganz oben mitspielen will. Du kommst in engen und wichtigen Spielen immer wieder an einen Punkt, wo sich alles über die individuelle Stärke einzelner entscheidet. Das war zum Beispiel das, was uns im entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Polen fehlte. Da gab es eben nicht dieses überraschende Momentum.
Tut ein solches Abschneiden den Sympathiewerten der Nationalmannschaft einen Abbruch?
Die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild des Handballs, was unschwer an den Einschaltquoten abzulesen ist. Natürlich ist es nicht von Vorteil, wenn der Erfolg ausbleibt. Aber wer gesehen hat, wie die Jungs gekämpft haben und wie sie als Mannschaft funktioniert haben, der bleibt auch weiterhin ein Fan der Nationalmannschaft.
Sie befürchten also keinen bösen Empfang, wenn sich die Nationalmannschaft am Samstag beim All Star Game in Leipzig präsentiert?
Das haben wir doch schon im vergangenen Jahr erlebt, als die Mannschaft mit einem enttäuschenden elften Platz von der WM in Schweden zurückkehrte. Die Halle in Leipzig war mit über 8.000 Besuchern ausverkauft, und als die Nationalmannschaft einlief, bereiteten die Zuschauer Heiner Brand und seinen Spielern einen begeisternden Empfang. Ich glaube, dass wird auch diesmal nicht anders sein. Das sind nun mal die Helden der Fans.
War zu Ihrer aktiven Zeit das All Star Game eine Veranstaltung mit hohem Stellenwert?
Das All Star Game hatte immer einen besondern Stellenwert für mich. Es war etwas Besonderes, sich auf freundschaftlicher Ebene mit den Superstars der Handballszene zu messen. Das hat immer viel Spaß gemacht.
Heute sind Sie Angestellter des Deutschen Handballbundes mit dem Auftrag, sich um den Nachwuchs zu sorgen. Als Jugendkoordinator des Verbandes haben Sie sicher auch Einfluss auf die Zusammenstellung der B-Nationalmannschaft gehabt, die gegen den EHV Aue ein Vorspiel bestreiten wird.
Ich gehöre natürlich zu jenem Trainerkreis, der sich über die Zusammensetzung des B-Teams Gedanken gemacht und die Spieler ausgesucht hat. Auswahlkriterium Nummer eins war es, Spieler auszuwählen, denen wir das Potenzial zutrauen, den Sprung in die A-Mannschaft schaffen zu können. Wir wollen diese Spieler über den Verein hinaus fördern und fordern.
Also soll die B-Mannschaft wieder eine feste Einrichtung werden?
Es gab in der Geschichte des DHB immer mal wieder eine B-Mannschaft. Letztlich scheiterte die Kontinuität in solchen Dingen immer wieder an termintechnischen oder finanziellen Problemen. Das soll aber diesmal anders sein, denn Aktionen wie diese beim All Star Game bringen wenig, wenn es bei einem Aufmerksamkeitsauftritt bleibt. Gemeinsam mit den Vereinen wollen wir mit Spielen der B-Mannschaft, aber auch mit Lehrgängen und weiteren Trainingseinheiten die individuelle Förderung unserer Talente weiter vorantreiben.
Gehören Sachen wie der Rookie Cup, die Gründung einer A-Jugend-Bundesliga oder die Schaffung von Leistungszentren und Handball-Internaten auch in diesen Kontext?
Das alles gehört zum großen Gebiet der engeren Verzahnung und Kooperation zwischen Verband und Liga. Wir müssten es hinbekommen, dass solche Aktionen – oder auch Jugend- und Junioren-Länderspiele – von sämtlichen Trainern der Liga besucht werden. In Dänemark ist das der Normalfall, dass sich die Erstligatrainer den Nachwuchs anschauen. Wir sind allerdings auf einem guten Weg, da die Zusammenarbeit zwischen Liga und Verband immer besser wird.
Aber kann man auch von den Spitzenteams der Liga gezielte Nachwuchsförderung erwarten?
Es passiert doch schon was bei den Spitzenklubs. Der HSV Hamburg beispielsweise will seine 2. Mannschaft so verstärken, damit sie in die 3. Liga aufsteigt. So will sich der Klub auch dort Perspektiven verschaffen. Oder auch in Kiel, wo ein Raul Alonso sich um die Entwicklung des Nachwuchses kümmert. Schlimm ist es, wenn es keinerlei Kommunikation zwischen dem Bundesligateam und dem Nachwuchs gibt. Denn dann fehlt auch die Durchgängigkeit eines Trainingskonzeptes.
Wenn wir uns die B-Mannschaft anschauen: Welchen Spielern trauen Sie den Sprung in die A-Mannschaft zu?
Torhüter Nils Dresrüsse vom TBV Lemgo und Hendrik Pekeler vom Bergischen HC sind sicher interessante Spieler für Martin Heuberger. Ganz sicher gehört auch ein Christian Dissinger dazu, der allerdings gegenwärtig an den Folgen eines Kreuzbandrisses laboriert und in Leipzig nicht dabei sein kann. Er hat sich dazu entschieden, ins Ausland zu gehen, um bei den Kadetten Schaffhausen Champions-League-Erfahrung zu sammeln. Ich glaube, das war eine gute Entscheidung, weil es ihn auch in Sachen Persönlichkeitsentwicklung voranbringen wird. Aber ansonsten verkörpert das B-Team schon das, was die nähere Zukunft der Nationalmannschaft sein könnte.






