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Bob Hanning: Die Lage des deutschen Handballs

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Im Rahmen des All-Star Game in Leipzig hat Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, seine Gedanken zum Thema "Deutscher Handball" in Form eines Positionspapieres allen Beteilligten von Liga und Verband vorgelegt. In seinem Memorandum fordert er "gravierende strukturelle Änderungen im DHB".

Hier Bob´s Gedanken zur Lage der deutschen Handballnation.

Thesen:

  • Die Herren-Nationalmannschaft ist das Aushängeschild des Deutschen Handballs.
  • Die Herren-Nationalmannschaft muss mittel- bis langfristig wieder in die Weltspitze geführt werden und an alte Erfolge anknüpfen.
  • Die Strukturen des DHB müssen professionalisiert werden. Der Verband muss nach innen und nach außen ein modernes Profil erhalten.
  • Innerhalb des DHB müssen kompetente Personen die Verantwortung übernehmen. Die Umsetzung muss in der laufenden Legislaturperiode erfolgen.
  • Die Basis des Erfolgs liegt in einer nachhaltigen Jugendarbeit zur Förderung und Heranführung von Talenten.
  • Eine gezielte Anschlussförderung durch die Handball-Bundesligisten schließt die Lücke zwischen Jugend- und Erwachsenenbereich.
  • Die Finanzierung erfordert einen Schulterschluss zwischen DHB, Landesverbänden und professionellen Clubs der Handball-Bundesligen.

Position des Deutschen Handballbundes

  • Der DHB ist der mitgliederstärkste Verband weltweit.
  • Der Handball verfügt in Deutschland im internationalen Vergleich über die besten ökonomischen Voraussetzungen und höchste mediale Präsenz, dies wird durch die Nationalmannschaft ungenügend genutzt.
  • Es muss der Anspruch sein bei großen Turnieren um Titel zu spielen.
  • Die A-Nationalmannschaft ist das Aushängeschild des Deutschen Handballs und deren Erfolg auch maßgeblich für die Präsenz der Handball-Bundesliga.
  • Kurzfristig sind internationale Titelgewinne durch die A-Nationalmannschaft nicht möglich.
  • Die Ausführungen beziehen sich grundsätzlich auf den männlichen Bereich, können aber vermutlich in vielen Teilen auch auf den weiblichen Bereich übertragen werden.

Bewertung Europameisterschaft 2012 in Serbien

  • Das Turnier mit der Aussage „wir haben gut gekämpft und gut gespielt" abzuhaken ist zu wenig.
  • Der große Traum war zwischenzeitlich genauso möglich wie ein Scheitern in der Vorrunde – die Wahrheit liegt dazwischen.
  • Es funktioniert definitiv nicht so weiter zu machen wie bisher.
  • Es ist zwar eine gute Basis vorhanden, aber es sind weitere Schritte notwendig.
  • Ein Verjüngungsprozess ist notwendig, erfordert aber den entsprechenden Mut aller Beteiligten.
  • Bundestrainer Martin Heuberger ist der richtige Mann um die notwendigen Schritte umzusetzen.
  • Um weitere Maßnahmen umzusetzen ist Geld notwendig, das dafür investiert werden muss.

Führung und Struktur im Verband

  • Präsident Strombach hat beim letzten Bundestag seine Bereitschaft für eine verkürzte Legislaturperiode bis 2013 erklärt.
  • Die Suche nach einem Nachfolger muss harmonisch und gemeinsam mit den Landesverbänden erfolgen.
  • Die Aufgaben des DHB müssen definiert und die Kernaufgaben benannt werden: Leistungssport/Nationalmannschaft, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Service, nationaler/internationaler sportpolitischer Einfluss, Schulhandball, Migration und demographische Entwicklung.
  • Die Aufgaben der Hauptamtlichen und der Geschäftsstelle müssen neu geordnet werden. Eine Professionalisierung der Leitungsebene ist notwendig.
  • Der DHB muss Leitlinien für die Landesverbände definieren, die über die Rahmentrainingskonzeption hinaus auch den strukturellen Bereich betreffen.
  • Die Nationalmannschaft braucht einen eigenen Teammanager, der aus der Bundesliga kommt und über entsprechende Kontakte zu den Bundesligisten verfügt.

Unterstützung der Landesverbände

  • Der Professionalisierungsgrad ist bei den Landesverbänden höchst unter- schiedlich. Hier muss seitens des DHB ein Austausch gefördert und vor allem die schwachen Landesverbände gestützt werden.
  • Zwischen dem DHB und den Landesverbänden, aber auch zwischen den Landesverbänden ist eine institutionelle Kommunikation notwendig. In Form von „Best Practices" muss das wechselseitige Lernen gefördert werden. Die Initiative hierfür und die Koordinierung muss durch den DHB erfolgen.
  • Maßnahmen im Jugendbereich müssen in enger Kooperation mit und vor allem durch die Landesverbände erfolgen.
  • Die Landesverbände müssen diesbezüglich materiell unterstützt werden.
  • Die Sichtung im männlichen Nachwuchs muss ein Jahr früher erfolgen.
  • Die Jugendarbeit muss über „Handball goes to school" hinaus noch intensiver in die Schulen hinein getragen werden.
  • Die Landesverbänden mit unterdurchschnittlicher Zahl an Jugendmannschaf- ten müssen evaluiert und gezielt unterstützt werden.
  • Eine Ablöse für Jugendspieler, die von kleinen zu großen Vereinen wechseln, muss wieder eingeführt werden.

Professionalisierung

  • Der DHB muss die Landesverbände bei einer weiteren Professionalisierung auch strukturell unterstützen.
  • Die Öffentlichkeitsarbeit des DHB muss den Anforderungen eines modernen Verbandes entsprechen und auch neue Medien bedienen.
  • Das Selbstverständnis des Verbandes muss die Informationsversorgung von Fans, Sponsoren und Medien umfassen.
  • Die Öffentlichkeitsarbeit des DHB versteht sich als Dienstleister für die Landesverbände und stellt entsprechend Informationen und Know-how zur Verfügung.
  • Der leitende Verbandsarzt stellt eine ungestörte Kommunikation zwischen allen Ärzten und Physiotherapeuten sicher, dokumentiert diese und nutzt dafür auch moderne Technologien um einen Informationsaustausch auch über DHB-Grenzen hinweg zu ermöglichen.
  • Der leitende Verbandsarzt steht allen Vereinsärzten kontinuierlich als Ansprechpartner zur Verfügung und stellt den Austausch zwischen den betreuenden Personen eines Athleten sowohl auf Vereins- als auch auf Verbandsebene sicher.

Jugend-Förderung im Erwachsenenbereich

  • Es müssen mindestens vier Spieler U23 in die A-Nationalmannschaft integriert werden.
  • Es müssen mindestens drei deutsche Spieler U25 in den Kadern der Bundesligamannschaften integriert werden.
  • Im Rahmen der Anschlussförderung müssen die Erstligisten über Partnerschaften zu Zweitligisten oder ausländischen Erstligisten verfügen.

Weiterentwicklung Jugend-Bundesliga

  • Ein 2-gleisiges Modell für die Jugend-Bundesliga sollte diskutiert werden.
  • Die Termine der Lehrgänge für Jugend- und Junioren-Nationalspieler müssen abgestimmt werden. Derzeit gibt es große Terminprobleme für den Regelspielbetrieb bei Jugend-Bundesligisten, die in beiden Teams Nationalspieler abstellen.
  • Die Vorbereitung und Durchführung internationaler Turniere müssen neu geordnet werden, für die betroffenen Spieler ist eine Saisonvorbereitung nicht möglich.
  • Das Athletik- und Krafttraining nach dem DHB-Modell muss verbindlich für den männlichen Leistungsnachweis festgelegt und auch umgesetzt werden.
  • Die Landestrainer und –verbände müssen stärker in der Eliteförderung auf Vereinsebene eingebunden werden.

Individuelle Eliteförderung

  • Die Eliteförderung im Nachwuchsbereich hat auf Initiative der Handball- Bundesliga große Fortschritte gemacht.
  • Neben der sportlichen Eliteförderung muss die Vernetzung mit der jeweiligen Schule intensiviert werden.
  • Ein monatlicher Austausch zwischen Verein und Schuldirektor muss zur Pflicht werden.
  • Mindestens alle drei Monate muss in großer Runde zwischen Schule, Verein und Erziehungsberechtigten die Situation der Eliteschüler besprochen werden.
  • Die DHB-Trainer müssen in die individuelle Eliteförderung eingebunden werden um einen Bezug zum nicht-sportlichen Umfeld ihrer Spieler zu erhalten.
  • Bei Schulproblemen muss eine sofortige Reaktion zwischen Schule und Verein sichergestellt werden, die Eliteförderung darf sich nicht auf den sportlichen Bereich beschränken.
  • Über den Verein und seine Partnerschaften muss den Eliteschülern ein duales Studium im Anschluss an die Schule ermöglicht werden.

Finanzierung

  • Die Vermarktung des DHB muss intensiviert werden. Insbesondere die Jugend- und Juniorennationalmannschaft als Titelträger muss dabei in den Blickpunkt rücken. Eine stärkere Differenzierung zwischen den Nationalmannschaften, eine Sponsoringstruktur und eine offensive Vermarktung können weitere Einnahmen generieren.
  • Die Handball-Bundesliga muss Initiativen und Investitionen des DHB finanziell unterstützen. Dies kann in Form eines zinsgünstigen Nachrangdarlehens oder eines ähnlichen Finanzierungsmodells geschehen. Die Handball-Bundesliga würde damit spätere Vermarktungserfolge des DHB vorfinanzieren und gleichzeitig mit professionellem Know-how den DHB in dieser Richtung unterstützen.


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