U21-Bundestrainer Erik Wudtke nach Niederlage bei WM-Generalprobe

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Die deutsche U21-Nationalmannschaft hat die Generalprobe vor der Weltmeisterschaft in Algerien vom 18. bis 30. Juli verloren. Vor mehr als 800 dennoch begeisterten Zuschauern in der Konstanzer Schänzle-Sporthalle behielt Island mit 33:30 (18:14) die Oberhand.

Junioren-Bundestrainer Erik Wudtke sieht seine talentierte Mannschaft nach Siegen gegen Europameister Spanien und Weltmeister Frankreich zuvor dennoch auf einem guten Weg. Noch diese Woche wird er das endgültige Aufgebot für die Weltmeisterschaft, wo Deutschland auf Ungarn, Chile, Südkorea, die Färöer Inseln und Norwegen trifft, bekanntgeben.

Erik Wudtke ist 44 Jahre alt und ehemaliger Spielmacher, der unter andrem für den französischen Erstligisten US Dunkerque und die MT Melsungen auflief. In Belgien wurde der 1,96 Meter große Junioren-Bundestrainer mit Eynatten zweimal Meister, ehe er in Deutschland beim Regionalligisten Ibbenbürener Spvg seine Trainerkarriere zunächst als Spielertrainer begann. Nachdem er seine aktive Karriere 2006 wegen einer Schulterverletzung endgültig beendet hatte, war er in der Nachwuchsförderung beim Handball-Verband Mittelrhein und beim Hamburger Handball-Verband engagiert, zwischenzeitlich auch als Landestrainer. Anschließend führte er den TuS Fernorf in die 2. Bundesliga, bevor er neben dem Traineramt beim Drittligisten TSV Bayer Dormagen ab Dezember 2015 zusätzlich Co-Trainer der deutschen Junioren-Nationalmannschaft wurde. Im Februar 2017 wurde Wudtke zum Nationaltrainer der Junioren befördert und konzentriert sich seitdem ausschließlich auf diese Aufgabe.

Herr Wudtke, trotz Niederlage und hoher Temperaturen war das ein richtig tolles Spiel und ein tolles Event. Die Freude der Zuschauer war deutlich zu sehen. Wie haben Sie dieses Event in Konstanz gesehen?

Das wichtigste ist, dass sich keiner verletzt hat. Dazu war es wichtig, dass wir den letzten Test noch einmal unter Wettkampfbedingungen durchführen konnten. Da sich keiner verletzt hat, können wir nun mit diesem Kader weiterarbeiten. Das Spiel war so, wie ich es vorher prognostiziert habe mit relativ vielen Torszenen und vielen Toren. Zum einen, weil die Isländer einen sehr guten Angriff, sehr diszipliniert und schlau mit dem Kreis spielen und wir auch eine Mannschaft sind, die für 28 bis 30 Tore gut ist. Nur das hat heute nicht zum Sieg gereicht und man muss auch sagen, dass Island das Spiel verdient gewonnen hat. Sie waren die Mannschaft, die summa summarum einen Tick weniger Fehler gemacht hat als wir. Deshalb haben wir das letzte Vorbereitungsspiel für die WM verloren, aber die Jungs vielleicht auch noch einmal aufgezeigt bekommen, dass man in jeder Sekunde an die Grenze gehen muss, um solch einen Gegner wie Island zu schlagen.

Sie haben sich das ja gewünscht: einen richtigen Härtetest im letzten Testspiel mit einem starken Gegner. Wie sehen Sie es nun: Selbstvertrauen konnte man heute vielleicht nicht tanken, auf der anderen Seite haben Sie sicher wichtige Erkenntnisse gewonnen, wo möglicherweise noch anzusetzen ist.

Man kann ja auf jeden Fall sagen, dass die Mannschaft in der Vergangenheit viele Spiele gewonnen hat und man den Anspruch haben darf, dass man durch eine Niederlage nicht sein gesamtes Selbstbewusstsein verliert. Genau, wie man im umgekehrten Fall nicht durch einen Sieg sein komplettes Selbstvertrauen erlangt. Insofern mache ich mir da keine Sorgen. Aber es war noch einmal ein richtiger Schuss vor den Bug. Wir wissen, dass bei der Weltmeisterschaft viele Mannschaften dabei sind, die auf einem vergleichbaren Niveau spielen. Für uns war das noch eine harte Trainingswoche und ein Test, in dem die Jungs bis an die Belastungsgrenze gehen mussten, um gegen solch einen Gegner mitzuhalten. Das haben sie heute gezeigt. Dass es heute für Island ausgegangen ist, bereitet mir keine allzu große Sorgen, wenn man die richtigen Erkenntnisse daraus zieht wie beispielsweise eine Verbesserung des Angriffsspiels gegen eine 5:1-Abwehr. Auch unsere eigene 5:1-Abwehr war mit Sicherheit noch ausbaufähig. Diese beiden Dinge werden wir in die letzten Trainingseinheiten reinnehmen und dann sind wir gut gerüstet.

Wo sehen Sie Ihre Mannschaft nach einer intensiven Vorbereitung und einigen Testspielen?

Wir sind bestmöglich vorbereitet für die Weltmeisterschaft. Natürlich hat man die Müdigkeit in den letzten Einheiten und gegen Island etwas gespürt. In den nächsten Tagen steht daher die Regeneration im Vordergrund, um sich von den Strapazen der letzten Tage und Wochen zu erholen. In bestem körperlichem Zustand gehen wir dann die Reise nach Algerien an und hoffen, dass wir gut in das Turnier starten.

Ihre Mannschaft hat zuletzt vor allem bei der Airport-Trophy in Kloten brilliert und Weltmeister Frankreich sowie Europameister Spanien besiegt. Auch wenn Sie sicherlich etwas bremsen: Was sind die Ziele für die WM, was haben Sie sich vorgenommen?

Die Mannschaft hat sich die Ziele bei unserem Lehrgang in Warendorf gemeinsam erarbeitet. Ganz numerisch gesehen ist ein Ziel, dass wir die Gruppenphase als Gruppensieger abschließen wollen. Die Mannschaft hat sich das in Form einer To-do-Liste erarbeitet und hat sich Etappenziele gesetzt. Natürlich ist das Erreichen des Achtelfinales mit der bestmöglichen Ausgangsposition – das ist in der Regel der Gruppensieg – das erste Etappenziel. Danach wollen sie von Spiel zu Spiel denken, wollen sich von Spiel zu Spiel weiter verbessern und weiterentwickeln. Letztendlich muss man auch den Anspruch haben, sich hohe Ziele zu setzen und die Mannschaft hat sich das Ziel gesetzt, eine Medaille zu holen. Ich glaube, dass es kein Problem ist, hohe Ziele zu haben. Die Mannschaft wird entsprechend motiviert sein, diese dann auch zu erreichen.

Wer sind dabei die Hauptkonkurrenten?

Die Airport-Trophy hat das schon gezeigt, auch wenn wir dort erfolgreich gewesen sind. Teams wie Frankreich, Spanien, aber auch die starken Isländer, Kroatien mit einer guten Mannschaft, dazu die Skandinavier wie Dänemark und Schweden sind unangenehm. Es gibt mit Sicherheit, sieben, acht, neun Mannschaften, die um den Titel spielen können. Ich bin aber davon überzeigt, dass wir auch eine gute Mannschaft haben, die gut vorbereitet ist und ebenfalls um Medaillen spielen kann. Wir wollen es jedem Gegner schwer machen, gegen uns zu spielen. Dann bin ich zuversichtlich, dass die Jungs die Ziele, die sie sich gesetzt haben, auch erreichen werden.

Nochmals zurück zur WM-Generalprobe gegen Island. Wo hat Sie Ihr Team überzeugt, wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

Kämpferisch waren alle da und haben alle alles versucht, was an diesem Tag möglich war. Das ist das, was man sowieso immer von den Jungs erwarten darf. In der Abwehr werden wir noch an der Feinjustierung arbeiten. Gerade in unser nicht üblichen 5:1-Deckung gibt es noch einige Entwicklungsfelder. Zusammen mit unserer guten 6:0-Abwehr haben wir flexible Möglichkeiten, um jeden Gegner vor neue Aufgaben zu stellen.

Konstanz-Torwart Stefan Hanemann wurde beim Turnier in Kloten als bester Torhüter ausgezeichnet, gegen Island konnte er an die überragenden Leistungen nicht anknüpfen. Welche Eindrücke hat er, über die ganze Vorbereitung gesehen, bei Ihnen hinterlassen?

Stefan hat im Zusammenspiel mit der Abwehr sehr gute Leistungen gezeigt. Gegen Island konnten wir mit beiden Torhüterleistungen nicht zufrieden sein. Sie wissen beide, dass sie uns von der Abwehrquote mehr geben müssen, 33 Gegentore sind zu viel, denn wir wollen immer unter 30 bleiben. Insgesamt sind wir aber mit ihren Leistungen einverstanden und sie haben gut gespielt. Für die WM müssen sie sich nun nochmals steigern und das werden sie auch tun.

Sie waren eine Woche lang für einen Lehrgang und ein Testspiel zu Gast in Konstanz. Mit welchen Eindrücken reisen Sie nun ab, was die Bedingungen vor Ort auf der einen Seite und das Erarbeitete mit der Mannschaft auf der anderen betrifft?

Wir reisen mit den Eindrücken ab, dass wir mit HSG-Präsident Otto Eblen direkt ausgemacht haben, dass wir im nächsten Jahr mit dem Jahrgang 1998 gerne wieder hier herkommen würden. Man muss ehrlicherweise sagen, dass man sich immer beim Gastgeber bedankt, das ist Höflichkeit, aber in diesem Fall ist es nicht nur eine Form der Höflichkeit, sondern auch Anerkennung für die Arbeit, die Otto Eblen und sein Team hier geleistet haben. Wir hatten wirklich hervorragende Trainingsbedingungen und haben uns auch ganz bewusst die Stadt Konstanz als Partner für den Lehrgang ausgesucht, weil es eine Stadt ist, in der man nicht nur hervorragend Handball-Training absolvieren kann, sondern wo die Jungs auch gut regenerieren können, wo sie auch im kulturellen Bereich wieder andere Gedanken haben und abschalten können. Wo sie mit dem Bodensee die Möglichkeit haben, andere Dinge zu sehen, nachdem wir in den letzten zwei Wochen sehr viel in der Halle waren. Da bietet eine Stadt wie Konstanz unheimlich viel, gemeinsam mit der HSG, die uns wirklich hervorragend unterstützt hat, war das ein rundum gelungenes Trainingslager. Wir würden uns glücklich schätzen, wenn wir das nächste Jahr wieder hier bei der HSG am Bodensee sein und die nächste Mannschaft, dann auf die Europameisterschaft, vorbereiten dürften.

Bei allem Ehrgeiz, den man als Junioren-Bundestrainer hat, zuvorderst erfüllen Sie einen Ausbildungsauftrag. Wie schätzen Sie die Chance ein, dass einigen der talentierten Jungs der Sprung in die 1. Bundesliga, manche haben ihn ja bereits geschafft, aber vor allem in die A-Nationalmannschaft gelingt?

Ich schätze die Chancen gut ein. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Bundestrainer der A-Nationalmannschaft den Jungs immer wieder die Chance gegeben haben, in die A-Nationalmannschaft hineinzukommen. Allerdings muss man sagen, dass diese Chancen nicht willkürlich verteilt werden, nur weil die Jungs jung sind, sondern die muss man sich verdienen. Spätestens in dem Bereich, wo es in die A-Mannschaft geht, wird nicht nach Alt und Jung entschieden, sondern nur nach dem Leistungsniveau. Das müssen die Jungs sich erarbeiten, aber sie sind auf einem guten Weg, davon bin ich überzeugt. Tim Suton und Marian Michalczik aus diesem Jahrgang hatten beim letzten Qualifikationsspiel des A-Teams schon die Gelegenheit, ein bisschen Luft dort zu schnuppern. Das haben sie in meinen Augen sehr gut gemacht. Wir arbeiten daran, auch über die Weltmeisterschaft, in der Zusammenarbeit mit den Bundesligisten noch weitere Spieler so fit zu machen, dass der eine oder andere im nächsten Jahr noch zu einem Lehrangang der A-Nationalmannschaft eingeladen wird. Aber wie gesagt, das ist kein Selbstläufer, sie müssen sich das erarbeiten. Über Leistung bei der Nationalmannschaft der Junioren aber auch im Verein. Da bin ich guter Dinge, dass wir den einen oder anderen, den wir hier gegen Island gesehen haben, in Zukunft auch bei einer A-Mannschaftmaßnahme sehen werden.

Fragen: Andreas Joas

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