UPDATE: Verkleinerung der Oberliga Niedersachsen sorgt für Aufregung
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- Kategorie: Oberliga Niedersachsen
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22 Jul 2012
- Geschrieben von Redaktion zweitewelle.de
Nachdem die Oberliga-Vereine mit den amtlichen Durchführungsbestimmungen informiert wurden, dass am Ende der kommenden Saison 2012/2013 insgesamt 4 Mannschaften den Weg in die Fünftklassigkeit antreten müssen, schlugen die Wellen bei vielen Vereinen hoch.
Kritisiert wurde vor allem, dass mit den Vereinen im Vorfeld nicht gesprochen wurde, sondern die Infos lediglich per Mail versandt wurden. zweitewelle.de hat sich bei den Vereinen umgehört und folgende Rückmeldungen erhalten:
Ralph Krone, Manager des VfL Hameln:
Aus wirtschaftlicher Sicht gesehen hat man eventuell Einbußen, da weniger Heimspiele ausgetragen werden. Allerdings hat man auch weniger Aufwendungen, durch die wegfallenden Auswärtsfahrten.
Auf der anderen Seite läuft die Saison aktuell von Anfang September bis Anfang Juni. Die Belastung für die Spieler wird immer höher, da unser Sport sich kontinuierlich weiterentwickelt und die Anforderungen an Physis und Athletik steigen. Dazu müßte man eigentlich vom Umfang her mehr trainieren, was aber nicht immer zu realisieren ist. Die geringere Anzahl an Punktspielen, bringt somit etwas Entlastung.
Thorben Kanngießer, Rückraumakteuer beim VfL Hameln:
Die Reduzierung der Oberliga auf 14 Teams hat für mich Vor- und Nachteile. Ein Nachteil haben die aufgestiegenen Mannschaften. Für diese Teams wird es nun noch schwerer, in der Oberliga zu bestehen.
Für uns Spieler selbst ist es aber auch ein Vorteil. Die Saison ist dadurch etwas kürzer und wir haben so eine längere Sommerpause....Oder auch nicht...kommt auf den Trainer drauf an :)
Maik Bodenburg, Neu-Trainer des Lehrter SV:
Wenn ich mir die Rahmenspielpläne der vergangenen und der aktuellen Saison anschaue, halte ich die Reduzierung für richtig und überfällig. Eine Saison von Anfang September bis in den Juni ist zu lang. Bei mindestens vier Absteigern wird vermutlich die halbe Liga bis zum Ende im Abstiegskampf stecken. Da wir oben mitspielen wollen hoffe ich, dass wir mit dem Thema aber nichts zu tun haben werden.
Jan Disselhoff/Gunnar Mollenhauer, Trainer-Duo des Aufsteigers HF Helmstedt-Büddenstedt:
Grundsätzlich hat uns die geplante Verkleinerung zur Saison 2013/2014 überrascht. Die Art und Weise wie diese Veränderung beschlossen und dann kommuniziert wurde ist doch sehr eigenartig. Solch wichtige Veränderungen sollten u.E. mit allen betroffenen Vereinen im Vorfeld besprochen und erst danach gemeinsam beschlossen werden. Für uns als Aufsteiger wird es jetzt natürlich noch schwieriger die Klasse zu halten. Für erhöhte Brisanz ist spätestens seit gestern gesorgt!!!
Unabhängig dieser genannten Aspekte begrüßen wir allerdings diesen Schritt. 16 Mannschaften sind schon recht viel, bei 14 Mannschaften würde sich alles ein wenig entzerren und auch die Saison wäre früher zu Ende. Den Spielern könnte nach Saisonende eine etwas längere Pause gegönnt werden.
Olaf Kahl, Coach der SG Hohnhorst-Haste:
Mit Erstaunen habe ich die Meldung zur Kenntnis genommen. Ich finde es den kleineren Vereinen gegenüber unfair eine solche Entscheidung dann bekannt zu geben, wenn die Kaderplanung bereits abgeschlossen ist. Viele kleinere Vereine haben sicherlich auch die finanziellen Planungen abgeschlossen und muessen nun versuchen zu zaubern. Ich bin mit nicht sicher, ob jeder HVN Funktionär in der Lage wäre, einen Verein sportlich und wirtschaftlich zu führen ,wenn er dieses in praktischer Arbeit und nicht vom grünen Tisch aus führen müsste.
Ekkehard Loest, Abteilungsleiter Handball beim TV Jahn Duderstadt:
Ich halte die Verringerung der Oberliga aus folgenden Gründen für absolut falsch:
1.) Wir müssen einfach mal feststellen, dass die Entwicklung in der 2. Liga und in der 3. Liga einfach falsch ist. Die Verringerungen dieser beiden Ligen haben dazu geführt, dass hier fast ausschließlich nur noch Vereine spielen können, die mit mehreren Profi-Spielern spielen. Dort werden im Männer-Bereich mittlerweile Etats zwischen ? 200.000,-- und ? 1.000.000,-- aufgerufen, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein.
2.) Gerade deswegen ist es wichtig, dass die Oberliga Niedersachsen in einem Flächenland eine gewisse Attraktivität behält und es weiterhin auch die Derbys gibt, die den Reiz ausmachen. Weiterhin bin ich der Auffassung, dass man die 2 Heimspiele auch mehr benötigt, um Sponsoren und Zuschauer in entsprechenden Maße zu behalten. Durch eine Verringerung würde die Oberliga an Attraktivität verlieren. Die Oberliga muss in Zukunft als Marke mit einer entsprechenden Anzahl als höchste Spielklasse im Landesverband gegenüber Zuschauern und Sponsoren verkauft werden.
3.) Was mir komplett aufstößt, ist die Art und Weise der Benachrichtigung der Vereine über diese Verringerung. Da wird einem ca. 8 Wochen vor Saisonbeginn die neuen Durchführungsbestimmungen per Mail zugestellt, ohne Hinweis auf diese gravierende Veränderung. Wenn mich ein anderer Verein nicht darauf hingewiesen hätte, hätte ich es eventuell erst beim Staffeltag oder bei Saisonbeginn gemerkt. Weiterhin empfinde ich eine Entscheidung eines Spielausschusses für absolut unprofessionell, ohne vorher mit den beteiligten Vereinen darüber diskutiert zu haben.
4.) Zusätzlich wird Vereinen, die an der Grenze zwischen Klassenerhalt und Abstieg im Leistungsniveau sind, somit durch die kurzfristige Benachrichtigung die Möglichkeit genommen sich langfristig entsprechend zu verstärken.
5.) Die Begründung, dass diese Entscheidung mit dem HVN Pokal zu tun hat, lass eich nicht gelten. Seit Jahren hat dieser Pokal an Attraktivität verloren. Wir haben an drei bis vier Final-Fours teilgenommen und entweder haben Mannschaften kurz vorher abgesagt oder man hat Zuschauerzahlen zwischen 50 und 150 erreicht. Teilweise waren es dann Geisterspiele, weil Mannschaften, die bereits für den DHB Pokal qualifiziert waren, mit ihren 2. und 3. Mannschaften antraten. Man sollte hier erstmal mit den Vereinen überlegen, wie man diesen Pokal reformieren kann.
Aus diesem Grund werde ich am kommenden Freitag (20.07.12) vehement dafür eintreten, die Verringerung erstmal zu verschieben und mit den Vereinen bis Ende des Jahres eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Jürgen Weißke, 1. Vorsitzender u. Spielwart der HG Rosdorf-Grone:
Zufällig haben wir am Montagabend die Tatsache entdeckt, dass der HVN wieder einmal über die Köpfe der Vereine eine Entscheidung getroffen hat. Die Vereine werden erneut als „unmündige Bürger" behandelt. Die Vereine sind von der Tatsache, dass die Oberliga Männer Niedersachsen im Jahr 2013/2014 auf 14 Mannschaften reduziert werden, soll nicht im geringsten informiert worden. Diese Tatsache wurde einfach in den Durchführungsbestimmungen für die Saison 2012/2013 eingearbeitet. Das bedeutet, dass in der Saison 2012/2013 4 Mannschaften aus der Oberliga und auch 4 Mannschaften aus der Verbandsliga absteigen müssen. Diese Abstiegsorgie setzt sich bis in die Regionsligen durch. Eine Begründung wurde nicht geliefert.
Schon einmal vor zwei Jahren hat der HVN versucht die Oberliga Männer zu verkleinern. Dies konnte durch den massiven Widerspruch der gewählten Vereinsvertreter verhindert werden. Die Vereinsvertreter wurden anschließend aus dem Spielausschuss entfernt. Das versteht der HVN unter Mitarbeit. Wer nicht nach unserer Pfeife tanzt, wird „entsorgt". Der Verband muss endlich einmal begreifen, dass er ein Dienstleistungsunternehmen für die Vereine ist und von den Vereinen bezahlt wird. Der Verband ist für die Vereine da und nicht die Vereine für den Verband. Nur ein Miteinander kann funktionieren und keine diktatorischen Maßnahmen von oben.
Durch regen Mailverkehr mit den Vereinen der Oberliga Männer wissen wir, dann zumindest 2/3 der Vereine keine Verkleinerung der Oberliga wollen. Wir werden am Freitag auf dem Staffeltag alles nur erdenklich mögliche in die Wege leiten um zu erreichen, dass diese in unseren Augen völlig einseitig getroffene Entscheidung zurückgenommen wird.
Stellungnahme des SV Aue Liebenau zur geplanten Reduzierung der OL Niedersachsen:
Die Planung des HVN, die OL Niedersachsen auf 14 Mannschaften zu reduzieren, war uns und wohl auch den anderen Vereinen bekannt. Nicht bekannt war wann und wie das geplant war.
Wir sind davon ausgegangen, dass die eigentlich Betroffenen in den Meinungsbildungsprozess mit einbezogen werden. Nach unserem Demokratieverständnis muss mit allen Betroffenen, also den Vertretern der Oberligavereine und auch den Verbandsligavereinen, deren Aufsteiger von der Veränderung auch betroffen sind, vor einer Entscheidung gesprochen werden
Im Falle der eingleisigen 2. Bundesliga ist der DHB diesen Weg gegangen und hat mit allen Bundesligavereinen diskutiert und sich ein Meinungsbild geholt. Der HVN hat diesen Weg nicht gewählt. Spieltechnik hat entschieden, Vorstand abgesegnet und alle Beteiligten vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Gipfel der Unverschämtheit des HVN, die Vereine wurden davon nicht einmal gesondert in Kenntnis gesetzt. Den Vereinen wurden die Durchführungsbestimmungen für die Saison 2012/2013 zugesandt und konnten dann daraus entnehmen, dass es vier Regelabsteiger geben wird. Der Souverän hat entschieden.
Aber was ist der HVN, welche Aufgabe hat er?
Haben wir es hier mit dem Führungsgremium der Vereine zu tun, oder hat der Verband nicht vielmehr für und im Sinne der Vereine zu arbeiten.
Unsere Meinung, der HVN hat uns zuzuarbeiten und unsere Interessen zu wahren.
Es geht auch nicht um Sinn oder Unsinn dieser Entscheidung. Es geht um die Art und Weise wie mit den Vereinen verfahren wird und über eine nicht statt gefundene Diskussion über den Modus der Reduzierung.
Es wären mehrere Modelle denkbar gewesen.
2 Jahre lang 3 Absteiger und dann haben wir 14 Mannschaften, oder Platz 14 und 13 spielen Entscheidungsspiele gegen die Verbandsligameister, dann haben wir sofort 14 Mannschaften.
Muss die OL Niedersachsen überhaupt auf 14 reduziert werden und warum?
Weil die anderen Oberligen auch mit 14 spielen? Sollten die nicht besser auf 16 aufstocken?
Fakt ist, in der Oberliga lässt sich leichter und mehr Geld für unseren Sport akquirieren als in der Verbandsliga, damit fließt also de facto weniger Geld in unseren Sport.
Dazu fehlen den Vereinen mit hohem Zuschaueraufkommen 2 Heimspieleinnahmen + Presse, Eventcharakter und Getränke/Kuchen/Bratwurstverkauf. All die Dinge auf die ein ganz normaler „Dorfverein" so angewiesen ist. Aus solchen kleinen Vereinen besteht die OL Niedersachsen nämlich überwiegend.
Es gibt wohl in der Oberliga nur 3 oder 4 Vereine die finanziell so ausgestattet sind, dass ihnen das alles egal ist. Der Rest wird, wie Aue Liebenau, fragen, was macht ihr da eigentlich mit unseren Interessen und unserem Sport? Was macht den der Verbandsligameister in Zukunft, wie verdoppelt er den Etat, um einigermaßen wettbewerbsfähig zu sein?
Wir sind mit der Reduzierung und dem Modus nicht einverstanden, glauben damit nicht alleine zu sein und empfinden es als selbstherrliche Unverschämtheit in den Meinungsbildungsprozess nicht einbezogen worden zu sein.
mit sportlichen Grüßen,
der Vorstand der Handballabteilung,
im Auftrag,
Ingmar Steins
(sportlicher Leiter der 1. Herren SV Aue Liebenau)
Zusatz von Ingmar Steins:
Mit Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass sich meine Argumentation mit der von Duderstadt, Haste und Rosdorf deckt. Auch unser Mann ist beim Staffeltag beauftragt dem Ganzen vehement zu widersprechen.
Ich kann mich Ekki nur anschließen, eingleisige 2. BL mit 20 Mannschaften, 3. Ligen statt der Regionalligen, wirtschaftlicher Wahnsinn und dann sollen die Meister der OL die wirtschaftlich die 3. Liga nicht packen zukünftig noch sanktioniert werden?
Die 3. Liga sollte eigentlich deutsche Talente ausbilden, eigentlich. Wollen wir bei allen Mannschaften jetzt einmal nachzählen wie viele ausländische Profispieler verpflichtet wurden, um zu überleben? Guckt doch mal nach Pirna, oder Springe.
Wie viele Vereine das an den Rand der Insolvenz treibt, weil sie finanzielle Abenteuer eingehen. Etats wie in Lemgo, wo auf einmal, wie überraschend 1,4 Millionen Euro fehlen.
Wo die wohl geblieben sind oder waren die nie da? Werden nicht auch die Profivereine an den Rande der Strafbarkeit getrieben.
Ich habe als Trainer mit dem TSV Bremervörde lange in der RL Nord gespielt und mit dem AMTV Hamburg in der RL Nord-Ost. In Bremervörde hatten wir zwei Ausländer, in Hamburg gar keinen, dafür eine Kooperation mit dem HSV Handball und 4 Spieler der BL Mannschaft die bei uns ausgebildet wurden. Tobias Mahnke, Jan Schult (jetzt Bad Schwartau), Sebastian Opderbeck und Patrick Starke (jetzt Altenholz). Hat offensichtlich funktioniert.
Schauen wir in die Oberliga Nordsee, wirklich gute Mannschaften wie Bremervörde, Barnstorf, Habenhausen wollen nicht in die 3. Liga, warum?
Der Etat gibt es einfach nicht her wettbewerbsfähig zu sein und die Vereinsvertreter wollen den finanziellen Wahnsinn nicht mit machen. Bravo!
Schade, dass wir uns tot reformieren, aber doch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Deutschland war ein Land des Mittelstandes, heute liegt der Schwerpunkt auf ganz reich und ganz arm. Politiker und Funktionäre leben offensichtlich in einer Welt die mit der Realität nichts zu tun hat.
Am Ende werden alle Vereine des Mittelstandes, alle "Dorfvereine" nur noch Breitensport anbieten und dann auch nicht mehr den großen Sinn in der Jugendausbildung sehen.
Martin Schmidt, langjähriger Rechtsaußen des THW Kiel, Nationalspieler, ist in Baden, einem kleinen Dorf bei Achim (Bremen) aufgewachsen, dann hat er für die SG Bremen-Ost in der Regionalliga gespielt und Uwe Schwenker hat ihn nach Kiel geholt. Ein Junge vom Dorf, 1. Herren Verbandsliga, ist deutscher Nationalspieler geworden.
Ihr HVN müsst euer Selbstverständnis überprüfen. Organisation des Spielbetriebes und Interessenvertreter der niedersächsischen Vereine sind eure Aufgaben. Ihr HVN, habt unsere Interessen zu vertreten und das umzusetzen was wir wollen. Wenn wir mit 18 Mannschaften spielen wollten habt ihr das dementsprechend zu vertreten.
In der Schule würde ich sagen, setzen 6.
Die Redaktion von zweitewelle.de bedankt sich bei allen, die uns so kurzfristig zu diesem brisanten Thema eine Rückmeldung gegeben haben. Zu diesem Thema dürfte es auf dem heutigen Staffeltag des HVN sicherlich hoch her gehen. Wir bleiben natürlich weiter am Thema dran.




