Interview mit Eintracht Hagens Geschäftsführer Finanzen

(Foto: Verein)

3.Liga Nord-West
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Die aktuelle Situation rund um die Corona-Pandemie stellt für alle Vereine eine große Herausforderung dar. Auch die Geschäftsführer unserer Eintracht arbeiten in der jetzigen Zeit auf Hochtouren, um die Auswirkungen greifen zu können.

Wir versuchen einen Einblick in die Belange des Vereins zu bekommen und haben den Geschäftsführer Finanzen, Michael Neß (s. Foto), einige Fragen gestellt. Grundsätzlich gilt, dass der gesamte Verein inkl. Sponsoren, Ehrenamtliche, Helfer, Spieler, Trainer, Betreuer und insbesondere Fans jetzt zusammenstehen müssen, um diese besondere Situation zu meistern. Wir bedanken uns bei allen, die uns unterstützen und freuen uns über jedes Zeichen der Solidarität.

Hallo Michael, du bist als Geschäftsführer Finanzen in der jetzigen Zeit ein gefragter Mann. Wie läuft es normalerweise zu diesem Zeitpunkt der Saison ab, was sind deine To-Dos?

In Sachen Finanzplanung hat sich bei der Erstellung eines Basisszenarios nicht viel geändert. Wir haben gemeinsam mit den Verantwortlichen aus den unterschiedlichen Fachbereichen die finanziellen Rahmenbedingungen abgestimmt und die Haushaltsplanung durchgeführt. Kaderplanung, Bilanzen, betriebswirtschaftliche Auswertungen, Einnahmen und Ausgaben, Anschaffungen, Events, etc. Das passiert schon sehr früh, meistens im Herbst und wird zu Beginn des Jahres intensiviert. Die Finanzplanung ist jedoch mehr als ein Prozess zu sehen und wird regelmäßig abgepasst, auch - weil sich die Parameter ändern. Dazu werden in regelmäßigen Abständen Updates erstellt, die allen Verantwortlichen zur Verfügung gestellt werden. Die Coronakrise hat die sonst stabile Finanzplanung generell auf den Prüfstand gestellt. Wir mussten alle Position neu bewerten und beurteilen.

Wie du schon angedeutet hast, hat die Corona-Pandemie alles durcheinandergewirbelt. Welche konkreten Auswirkungen hat das Virus auf den Verein?

Na ja, seit dem 17.02.20 ruht der Spielbetrieb. Zwei Heimspiele finden nicht statt und werden nach heutigem Stand nachgeholt. Einnahmen fallen aus. Die Kosten laufen weiter. Wir müssen die Unsicherheit bewerten und regelmäßig schauen mit welchen Auswirkungen auf die Ertrags- und Liquiditätslage wir rechnen müssen. Dazu haben wir geeignete Maßnahmen ergriffen und werden auch weitere Maßnahmen umsetzen, die uns eine stabile finanzielle Position sichern. In einer solchen Zeit ist ein großes Maß an Zeitaufwand, Engagement und Entgegenkommen von allen Beteiligten notwendig und selbstverständlich. Wir sind aufmerksam und wach und stimmen uns alle regelmäßig ab. Alle wirtschaftlichen Auswirkungen können wir erst zu einem späteren Zeitpunkt vollständig beurteilen.

Wie ist deine persönliche Meinung? Saisonabbruch? Fortsetzen? Geisterspiele?

Ich komme beruflich aus dem Bereich der Finanzen und Finanzplanung und betrachte die Auswirkung der Coronakrise auf die Handball Management GmbH mit einem eher nüchternen Blick auf die Zahlen und einem gewissen Maß an „gesundem Menschenverstand", weil ich die sportliche Seite nicht so gut einschätzten kann. Was man sich wünscht, spielt dabei keine Rolle. Die Fakten werden gemacht.

Aus wirtschaftlicher Sicht können wir froh sein, dass die Spielunterbrechung erst so spät in der Saison stattgefunden hat. Ich habe mir die Argumentation aus der juristischen Sicht angehört und stelle fest, dass es keine einfache Entscheidung ist, eine Saison einfach so abzubrechen. Daher wird alles versucht werden, ein Ergebnis auf sportlichem Weg zu ermitteln, wenn alle Teams gesund bleiben, möglicherweise auch ohne Publikum. Aktuelle plane ich jedoch eher einen Saisonabbruch in meiner Worst-Case-Betrachtung bei der Finanzplanung ein. Sollte es dann besser laufen, was ich mir und wir uns alle wünschen, sind wir finanziell auf der sichereren Seite.

Das Virus wird auch die nächste Saison beeinflussen. Wie weit ist die Planung für 20/21 und wie gehst du mit den aktuell erschwerten Bedingungen um?

Ja, das ist im Moment schwierig abzuschätzen. Wie alle Wirtschaftsunternehmen, Berater und Politiker, fährt man im Moment tendenziell auf Sicht. Vieles hängt davon ab, wie sich die Fallzahlen der Infizierten entwickelt und ob wir es schaffen, unser Gesundheitssystem nicht zu sehr zu überfordern, wann wir also zu einem normalen Ablauf zurückkommen. Es muss regelmäßig schnell und flexibel auf die sich ändernden Situationen reagiert werden. Dabei müssen auch alle Optionen und Fördertöpfe die heute und gegebenenfalls auch noch zu einer späteren Zeit zur Verfügung stehen bewertet und bedarfsgerecht, mit Augenmaß genutzt werden, damit der Spielbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Wir planen erst einmal mit einem regulären Spielbetrieb 20/21 und haben alles dafür getan, mit einem guten Team und vielen Events in die neue Saison zu starten. Vor allem deshalb, weil die Spieler sich riesig freuen, wieder auf dem Spielfeld zu stehen, und wir unsern Fans und Sponsoren die Bühne bereiten möchten, als Dank für die Treue und Unterstützung in diesen unsicheren Zeiten. Ich wünsche mir sehr, dass es auch so klappt.

Was ist in der jetzigen Zeit besonders wichtig?

Was ist besonders wichtig? Wir merken alle, dass diese Krise anders ist. Wir müssen Abstand halten, wo Nähe und Verbundenheit üblich ist. Wir merken jetzt alle, dass wir uns trotz oder wegen des Abstands ein Stück menschlich näher kommen, weil wir plötzlich alle im selben Boot sitzen. Das wird uns in der nächsten Zeit tragen. Wichtig ist für uns, dass wir alle dran bleiben, dass wir uns gegenseitig unterstützen und dass bei den nächsten Spielen mit Publikum, die Halle richtig voll wird. Wir sind Eintracht. Ist nicht nur ein gutes Motto für unseren Verein, sondern auch für unsere Gesellschaft. Verlässlichkeit, Vertrauen und Wohlwollen. Eintracht eben.

Danke Michael!

Jeder im Verein gibt alles dafür, um diese Situation bestmöglich zu meistern. Wir hoffen, dass wir uns sehr bald in der Halle wiedersehen und gestärkt aus dieser Situation rausgehen. Aber es ist noch ein langer Weg. Bleibt alle gesund! Denn #wirsindeintracht.

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