Zebras mit beeindruckendem Erfolg

Foto: Lächler

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Der THW Kiel hat das Spitzenspiel der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga in beeindruckender Manier für sich entschieden: Der Tabellenführer TSV Hannover-Burgdorf wurde am Sonntag mit 32:23 (17:12) aus dem Tollhaus Sparkassen-Arena gefegt.

Das Topspiel der stärksten Liga der Welt - es nahm sofort Fahrt auf. Nach etwas mehr als zwei Minuten waren bereits drei Treffer gefallen, und beide Torhüter hatten sich schon ausgezeichnet. Die Kieler kamen, angetrieben von einer großartigen Kulisse, mit viel Dampf in die Partie. Niclas Ekberg, an der Achillessehne verletzt und nur für Siebenmeter eingesetzt, traf zum 3:1, nach Cehtes Anschluss folgten erste sieben rauschartige Minuten der Zebras. In einer Hauptrolle: Reinkind. Erst traf der Linkshänder zum 4:2, dann verhinderte er in der Abwehr ein Kempa-Anspiel, um kurz darauf vorne erneut zu treffen. Dann leistete sich Cehte ein Stürmerfoul, was der mit unglaublichem Tempo agierende Nikola Bilyk zum 6:2 nutzte - um kurz darauf in doppelter Überzahl nach eigenem Steal das 7:2 nachzulegen. Als die Kieler dann in eigener Unterzahl genial "abräumten" und Magnus Landin freispielten, lagen die Gastgeber mit 8:2 vorn. Sieben Minuten ohne Gegentreffer, ein 5:0-Lauf, der die Fans aus den Sitzen riss.

Hannover zeigte, warum sie an der Spitze stehen: Spielte, wenn immer ihnen die Möglichkeit geboten wurde, über Außen und verkürzte durch einen Kastening-Dreher zum 5:9. Variierte in der Eckung von 6-0 auf 5-1 und 3-2-1. Eine Viertelstunde war da gespielt, die Kieler reagierten nach einigen vergebenen Großchancen aber auch nach Morten Olsens Siebenmeter um 7:11 cool: Während der erst 19-jährige gebürtige Kieler Sven Ehrig nach Rahmels Zeitstrafe sein Bundesliga-Debüt feierte, traf Magnus Landin in Unterzahl. Hielt sein Bruder gegen Kastening, Patrail. Bilyk traf bei drohendem Zeitspiel mit 109 km/h zum 13:7, Hendrik Pekeler legte im Gegenstoß nach. Wiencek leitete mit einem Monsterblock das 15:8 durch Pekeler ein, Duvnjak jagte einen weiteren Gegenstoß zum 16:8 ins Netz. Sein 1000. Bundesliga-Treffer - gefeiert mit Ovationen, auch weil Carlos Ortega sich bereits zur zweiten Auszeit gezwungen sah. Kurz darauf traf Reinkind zum 17:8 - vier Minuten vor der Pause lief alles nach Plan.

Vier Minuten später sah das - sehr zum Leidwesen der Zebras und ihrer Fans - schon anders aus. Jetzt waren es die Schwarz-Weißen, die sich technische Fehler erlaubten, was Hannover eiskalt nutzte. Ugalde traf per Heber, Brozovic vom Kreis, Martinovic mit einem trockenen Wurf. Auf 11:17 kam der Tabellenführer heran, kurz vor der Sirene scheiterte Reinkind an Lesjak, Cehte traf per Gegenstoß zum 12:17. Aber schlimmer noch: Beim Versuch, den Gegenstoß zu verhindern, verletzte sich Duvnjak an der linken Wade, humpelte mit Verdacht auf Muskelfaserriss vom Feld. Nach Steffen Weinhold, Gisli Thorgeir Kristjansson und Niclas Ekberg fehlte dem THW Kiel fortan mehr als eine weitere Alternative, der Anführer blieb draußen.

Nach dem Schock folgte der erneute Rausch: Wie entfesselt stürmten die Zebras aus der Kabine. Allen voran Niklas Landin: Sieben Minuten lang sollte der THW-Torhüter sich zur unbezwingbaren Wand aufschwingen. Sieben Minuten, in denen der THW Kiel trotz einiger liegengelassenen Gelegenheiten die Vorentscheidung erzwang. Hannover setzte auf den siebten Feldspieler im Angriff, scheiterte auch mit dieser Maßnahme an der schnellen Kieler Deckung. Pekeler mit einem Doppelschlag, Bilyk, Reinkind - 21:12 (37.). Als Ortega nach 40 Minuten die letzte Auszeit nahm, hatte Ole Rahmel gerade eine Schnelle Mitte zum 23:14 vollendet. Egal, was der Tabellenführer taktisch anstellte - die Zebras hatten eine Lösung. Und immer wieder Niklas Landin, der im zweiten Durchgang satte 15 Paraden auf seine Habenseite packte. Die Sparkassen-Arena - sie war längst ein Tollhaus geworden.

Die Zebras zauberten. Magnus Landin traf nach Bilyk-Pass per Kempa zur Zehn-Tore-Führung, Rahmel legte nach Landin-Parade elegant das 25:14 nach, Lukas Nilsson bediente hinter dem Rücken Wiencek, der ebenfalls hinter dem Rücken weiter auf Landin spielte: 27:17 (46.)! Nun war die Zeit gekommen, ein wenig Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Die "Recken" nutzten das beim 21:28 zur Resultatsverbesserung, am Ende aber legten die Kieler neun Treffer Unterschied zwischen sich und den Gegner. Der verdarb sich damit die Tordifferenz und musste den "Platz an der Sonne" für den Titelverteidiger aus Flensburg räumen, während sich der THW Kiel auf Rang drei vorschob - mit zwei Spielen weniger als die Konkurrenz. Für den neuerlichen Kraftakt wurden die Kieler von ihren Fans euphorisch gefeiert - die richteten aber den Blick schnell nach vorn.

Der Hammer-November nimmt für die Zebras jetzt richtig Fahrt auf. Bereits am Mittwoch wartet die nächste schwere Aufgabe auf den THW Kiel: Im Heimspiel gegen den HC Motor Zaporozhye geht es um zwei wichtige Punkte im Kampf um die Tabellenführung in der Gruppe B der VELUX EHF Champions League Weiter geht's gegen Zaporozhye, Kiel!

LIQUI MOLY HBL, 13. Spieltag, 17.11.2019: THW Kiel - TSV Hannover-Burgdorf: 32:23 (17:12)

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 22/1 Paraden), Quenstedt (n.e.); Ehrig, Duvnjak (1), Reinkind (9), M. Landin (5), Wiencek, Ekberg (3/3), Rahmel (2), Dahmke (n.e.), Zarabec, Horak, Bilyk (5), Pekeler (7), Nilsson; Trainer: Jicha

TSV Hannover-Burgdorf: Ebner (1.-16., 40.-60., 4 Paraden), Lesjak (16.-40., 4 Paraden); Cehte (3), Martinovic (3), Patrail, Thiele (1), Pevnov (1), Jonsson, Böhm (2), Ugalde (3), Olsen (2/2), Donker, Brozovic (3), Feise (1), Kastening (2), Büchner; Trainer: Ortega

Schiedsrichter: Nils Blümel / Jörg Loppaschewski
Strafzeiten: THW: 4 (Reinkind (11.), Rahmel (18.), Nilsson (51.), Wiencek (58.)) / TSV: 3 (2x Cehte (9., 42.), Böhm (9.))
Siebenmeter: THW: 3/3 / TSV: 3/2 (Landin hält Kastening (11.))
Spielfilm: 1:0, 1:1, 3:1 (5.), 3:2, 8:2 (12.), 9:3, 9:5 (15.), 11:6 (16.), 11:7, 14:7 (22.), 14:8, 17:8 (26.), 17:12; 21:12 (37.), 24:14 (42.), 26:15 (44.), 27:17 (46.), 28:19 (52.), 29:22 (56.), 31:22 (58.), 32:23.
Zuschauer: 10285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

THW-Trainer Filip Jicha: Ich bin sehr stolz darauf, mit welchen Engagement und kämpferischen Leistung meine Mannschaft nach zuletzt drei richtig schweren Partien am Stück dieses Spiel bestritten hat. Sie hat sich in einen Rausch gespielt, aber trotzdem an den Plan gehalten. Leider haben wir in der ersten "Rausch-Phase" vier technische Fehler am Stück gemacht und damit Hannover wieder ins Spiel eingeladen. Zudem haben wir dies doppelt teuer bezahlt, weil Dule nach einem verlorenen Ball den Gegenstoß verhindern wollte und sich bei der Rückzugsbewegung an der Wade verletzt hat. Das ist natürlich ein Riesen-Ausfall für uns. Nach dem Dule-Schock, in der Pause standen alle Spieler bei ihm, gehen wir aus der Kabine raus, machen schnelle Tore, verteidigen sehr gut mit einem Landin hinter der Abwehr, der uns große Stabilität verliehen hat, mit einem Doppelblock Wiencek/Pekeler, der das super gemacht hat. Wir konnten uns so befreien. Das war eine starke Leistung. Begeistert hat mich die sensationelle Atmosphäre!

TSV-Trainer Carlos Ortega: Glückwunsch an den THW Kiel, wir hatten heute keine Chance. Unser größtes Problem lag im Angriff - oder, je nach Sichtweise, in der Kieler Abwehr. Wir haben viel probiert, haben viel gewechselt, mit dem siebten Feldspieler agiert. Aber wenn wir die Chance hatten, war da ja auch noch Niklas Landin. Der THW Kiel war stark heute.

Sven-Sören Christophersen, Sportlicher Leiter TSV: Das war ein völlig verdienter Sieg. Wir mussten schnell feststellen, welche Dynamik ein Spiel in Kiel entwickeln kann. Eigentlich wollten wir aufpassen und gut in die ersten und zweite Halbzeit kommen, beides ist aber nicht passiert. Nach dem 8:17 haben wir uns reingekämpft, aber wir waren im Angriff nicht durchschlagskräftig und sind an einem hervorragend aufgelegten Landin gescheitert. In Summe war das dann zuviel, qualitativ waren wir nicht gut genug, um hier heute etwas mitzunehmen.

THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi: Ich bin sehr froh und stolz darauf, wie dieses Spiel lief. Vieles hat gepasst, viele Spieler sind über sich hinausgewachsen, die Atmosphäre war großartig. Wir konnten unser Tempospiel durchziehen, auch wenn Hannover uns immer wieder vor neue Aufgaben gestellt hat. Nach kurzer Zeit hatten wir auch für die neue Situation Lösungen. Leider war das heute ein Erfolg, den wir mit der Verletzung von Dule teuer bezahlt haben. Wir wissen noch nicht, wie lange er ausfällt.

THW-Kapitän Niklas Landin bei Sky: Wir wussten, dass so hohe Siege möglich sind, wenn wir richtig gut aufspielen. Aber nach einer Länder-spielpause weiß man nie, wo genau man steht. Nach zehn Sekunden war diese Pause eigentlich schon vergessen. Die Halle war ebenfalls von Anfang an dabei, und das hat uns stark gemacht.

THW-Kreisläufer Hendrik Pekeler bei Sky: Wir haben das Gesicht gezeigt, was wir von Anfang an zeigen wollten. Unsere Abwehr stand deutlich kompakter, wir haben die Hannoveraner nicht nah an unser Tor gelassen. Wir sind wieder auf dem richtigen Weg.

THW-Torhüter Niklas Landin bei Sky: Die Paraden sind für mich nicht das Wichtigste. Wir wollten von Anfang an alles auf diese Partie setzen und Hannover zeigen, dass wir ganz oben stehen wollen.

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Ergebnisdienst Bundesliga

12.12.2019 19:00
Liqui Moly Handball-Bundesliga, 17. Spieltag
  
TVB 1898 Stuttgart - MT Melsungen 0 : 0
  
Füchse Berlin - THW Kiel 0 : 0
  
TBV Lemgo Lippe - Rhein-Neckar Löwen 0 : 0
  
Die Eulen Ludwigshafen - TSV Hannover-Burgdorf 0 : 0
  
SG Flensburg-Handewitt - HBW Balingen/Weilstetten 0 : 0
Letzte Aktualisierung: 09.12.2019 17:54:34
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