Melsungen mit viel Mühe

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Die Rückkehr der MT Melsungen in den Europapokal gestaltete sich weit mühsamer als man das hätte erwarten dürfen. Zwar stand am Ende ein 32:28 (19:13) gegen den griechischen Vertreter Olympiacos S.F.P. zu Buche, der Weg dorthin war allerdings arbeitsreicher als er hätte sein müssen.

Vor knapp 2.800 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle waren die Nordhessen zur Halbzeit nach einem 7:0-Lauf auf dem Weg zu einem klaren Sieg, vermochten diesen Schwung aber nicht mitzunehmen in die zweite Hälfte. Mit je neun Toren glänzten die Flügelspieler Yves Kunkel (s. Foto) und Dimitri Ignatow, noch zweimal mehr traf jedoch Patrick Toniazzo Lemos für die Gäste.

Den ersten Gänsehautmoment gab es bereits vor dem Spiel. Als während der Mannschaftsvorstellung bei einem Griechen frenetischer Jubel aufbrandete. Empfänger der Applausdusche: Grigorios Sanikis, früher einige Jahre selbst im MT-Trikot aktiv und allen noch bestens bekannt. Er durfte auch gleich in der Anfangsformation ran, vermochte den ersten Angriff mit seinen Kollegen aber nicht positiv abzuschließen. Stattdessen traf Yves Kunkel im Gegenstoß zur ersten Führung der Gastgeber und war kurz darauf zum 2:1 über Linksaußen noch einmal erfolgreich (3.).

Dann schlug Patrick Toniazzo Lemos zu. Der Spielmacher traf über alle drei Rückraumpositionen und war praktisch im Alleingang dafür verantwortlich, dass Olympiacos nach acht Minuten mit 5:4 vorn lag. Das drehte Finn Lemke nach uneigennützigem Zuspiel von Dimitri Ignatow zwar schnell wieder, aber Toniazzo Lemos glänzte auch als Zuspieler: auf Andreas Arapakopoulos zum 6:7 (11.). Es war ein munterer Schlagabtausch in der Anfangsphase, in dem die Gäste das angeschlagene hohe Tempo mitgingen.

Auch wenn die MT das Zepter wieder in die Hand nahm, an ein Absetzen war vorerst nicht zu denken. Das lag vor allem am brasilianischen Tausendsassa im griechischen Rückraum, der zum 9:9 (16.) bereits zum fünften Mal traf. Ehe Kunkel mit seinem ebenfalls fünften Tor aufschloss und sich dann Lemke zweimal mit Gegenstoß-Pässen bei Ignatow bedankte. Nach etwas mehr als 18 Minuten führte Melsungen dann doch mit drei vor und Olympiacos nahm die erste Auszeit.

Die nicht fruchtete, denn Marino Maric sorgte mittlerweile dafür, dass Toniazzo Lemos‘ Kreise stark eingeengt wurden. Die Folge waren ungenaue Pässe dessen Kameraden und reihenweise Ballgewinne für die Gastgeber. Fast alle sofort in schnelle Gegenstöße umgesetzt und von den schnellen Außen veredelt. Viermal in direkter Folge war Dimitri Ignatow der Nutznießer und auch Yves Kunkel profitierte. Den siebten Volltreffer in Reihe steuerte Domagoj Pavlovic zum 16:9 bei (23.). Erst eine doppelte Überzahl nach Zeitstrafen gegen Danner und Ignatow brachte Olympiacos zwar wieder ins Spiel zurück, bis zur Pause jedoch nur unwesentlich wieder etwas näher heran.

Nach dem Seitenwechsel wurde durchgewechselt. Timm Schneider rückte an den Kreis, Stefan Salger kam für Kai Häfner, Roman Sidorowicz für Julius Kühn – und traf sofort doppelt zum 21:13 (33.). Wieder war es eine Zeitstrafe, diesmal gegen Finn Lemke wegen eines Wechselfehlers, die die Griechen rettete. Andreas Arapakopoulos, Nikolaos Liapis und Petros Kandylas hielten dagegen, als sich nacheinander auch Stefan Salger und Timm Schneider in die Torschützenliste eintrugen. Was Trainer Heiko Grimm nach Kandylas‘ 23:17 zu zweiten Auszeit veranlasste (42.).

Der Wurm blieb einstweilen dennoch drin im Spiel der Nordhessen. War vor der Pause noch fast jeder Wurf drin, schlichen sich nun Unkonzentriert-heiten ein. Was die Gäste in Person von Kandylas prompt zur Resultatsverbesserung nutzten. Nur eine Einzelleistung von Domagoj Pavlovic zum 24:18 (44.) durchbrach den kleinen griechischen Lauf, der im Doppelschlag von Goran Bogunovic und dem 24:21 durch Nikolaos Liapis (48.) seine Fort-setzung fand. Zu allem Überfluss vergab Kunkel gegen Matija Spikic einen Siebenmeter und brachte auch den Nachwurf nicht unter. Olympiacos war wieder dick im Geschäft.

Nebojsa Simic kam für den in der zweiten Hälfte glücklosen Sjöstrand und hielt sofort den ersten Wurf von Toniazzo Lemos. Eine Parade leider ohne Signalwirkung. Pavlovic setzte sich vorn zwar durch zum 27:23 (52.), der nächste Pass nach vorn nach Ballgewinn segelte aber über Marino Maric hinweg. Und so blieb es bis zum Schluss weitgehend Stückwerk, was die MT ablieferte. Herauszuheben waren allenfalls die Tore von Dimitri Ignatow, der rechtzeitig zur Torgefahr der ersten Hälfte zurückgefunden hatte.

MT-Trainer Heiko Grimm: Wie man sich vorstellen kann, bin ich nicht so wahnsinnig zufrieden mit diesem Ergebnis. Wir haben es nicht geschafft, gegen einen guten, beweglichen Gegner Durchbrüche zu verhindern. Immer wieder haben wir Eins-gegen-Eins-Situationen verloren. Ich hatte das Gefühl, nach dem 21:13 hat jeder einen Schritt weniger gemacht. So etwas ist fahrlässig! Wir haben danach kaum noch verteidigt. So können wir mit den vier Toren Vorsprung überhaupt nicht zufrieden sein und haben jetzt am kommenden Samstag ein schweres Auswärtsspiel vor uns. Summa summarum sind wir enttäuscht von unserer Leistung.

Olympiacos-Trainer Giorgos Zaravinas: Zuerst einmal vielen Dank für die große Gastfreundschaft! Für uns war es eine große Herausforderung, gegen einen so guten Gegner zu spielen und uns auch gut zu verkaufen. Bevor wir hier her kamen hatten wir nur das Ziel, dieses Spiel zu bestehen. Jetzt bin ich sehr froh, dass wir uns so gut präsentiert und so eine Leistung gebracht haben. Ich denke, dass wir ein echter Gegner für Melsungen waren und die Zuschauer das Spiel genossen haben.

MT-Spieler Yves Kunkel: Es war heute etwas Anderes als sonst. Ich war schon etwas nervöser als vor einem Bundesligaspiel. Die erste Halbzeit ist sehr gut für mich gelaufen, mit der zweiten bin ich nicht zufrieden. Unsere Leistung etwa von der 15. Minute bis zur Pause war ok, kurz nach der Halbzeit hätten wir das Spiel entscheiden können.

Olympiacos-Spieler Grigorios Sanikis: Unsere Hoffnungen sind jetzt nicht größer als sie auch vorher schon waren. Wir wissen, dass Melsungen Superspieler hat, die uns jederzeit schlecht aussehen lassen können. Aber das müssen sie eben erst einmal auch zeigen. Wir bleiben trotz des Ergebnisses auf dem Boden.

MT Melsungen: Sjöstrand (6 Paraden / 23 Gegentore), Simic (2 P. / 5 G.); Maric, Kühn 3, Lemke 1, Reichmann 1/1, Ignatow 9, Kunkel 9, Danner 1, Schneider 1, Allendorf, Sidorowicz 2, Häfner 1, Salger 1, Pavlovic 3, Gruber - Trainer Heiko Grimm.

Olympiacos: Tsilimparis (3 P. / 16 G.), Spikic (10 P. / 16 G.), Terlecki (n. e.); Bogunovic 3, Tziras 1, Karampourniotis 1, Toniazzo 11, Mougits, Mallios 2, Kandylas 5, Sanikis 1, Bagios, Delichristos, Liapis 2, Arapakopoulos 2, Michallidis - Trainer Giorgos Zaravinas.

Schiedsrichter: Ivars Cernavskis / Edmunds Bogdanovs (Lettland)

EHF-Delegierter: Lars Berndtsson (Schweden)

Zeitstrafen: 6 – 6 (Danner 23:24, Ignatow 24:31, Lemke 33:27 – Karampourniotis 46:26, Arapakopoulos 49:17 59:58)

Strafwürfe: 2/1 – 0/0 (Kunkel scheitert an Spikic 46:29)

Zuschauer: 2.773 in der Rothenbach-Halle, Kassel.

Die nächsten Spiele:
HBL: Do., 21.11.19, 19:00 Uhr, MT Melsungen – Frisch Auf Göppingen, Rothenbach-Halle Kassel
EHF Cup: So, 24.11.19, 18:00 Uhr, Olympiacos Piraeus (GRE) – MT Melsungen, Melina Merkouri-Hall, Piräus (GRE)

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